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Berlin
Boateng als Nachbar? Kritik an AfD

Berlin. Parteivize Gauland sagt, "die Leute" wollten nicht neben dem Fußballer wohnen.

Mit einer Bemerkung über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng hat der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland Empörung ausgelöst. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zitierte Gauland mit den Worten: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

Boateng selbst reagiert gelassen auf das Zitat: "Kann ich nur drüber lächeln. Ist traurig, dass so etwas heute noch vorkommt", sagte er gestern in der ARD nach dem Länderspiel Deutschland - Slowakei. "Ich bin froh, Deutscher zu sein, ich bin stolz, sonst wäre ich auch nicht hier in der Mannschaft. Ich glaube, ich bin gut integriert, und mehr muss ich dazu auch nicht sagen", betonte er. Boateng ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Sein Vater ist Ghanaer, seine Mutter Deutsche.

Der auch für Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der "Bild"-Zeitung: "Jérôme Boateng ist eine herausragende Stütze unserer Nationalmannschaft und ein absoluter Musterprofi. Jeder Deutsche kann sich glücklich schätzen, solche Leute zu haben, als Teamgefährte, deutscher Staatsbürger und als Nachbar." Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) betonte, die Bemerkung zeige, dass Gauland "auch gegen das Gute an Deutschland" sei: "Gaulands AfD ist auch deutschfeindlich." Ex-Nationalspieler Mario Basler schrieb beim Kurznachrichtendienst Twitter, Gauland habe "nicht mehr alle Latten am Zaun". Der Präsident des Deutschen Fußballbundes, Reinhard Grindel, sagte, es sei "einfach geschmacklos", die Popularität Boatengs "für politische Parolen zu missbrauchen".

Gauland wies den Vorwurf zurück, er habe Boateng beleidigt: "Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten." Er habe lediglich die Einstellung mancher Menschen beschrieben. AfD-Chefin Frauke Petry sagte: "Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist." Der rheinland-pfälzische AfD-Chef Uwe Junge nannte Boateng "einen unserer WM-Helden".

Quelle: RP
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