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Aleppo/Washington/Moskau
Bomben auf Hilfskonvoi - keiner will schuld sein

Aleppo/Washington/Moskau. Wer ist ist verantwortlich an dem verheerenden Luftschlag gegen einen Hilfsgütertransport in Syrien? Die USA sagen: Moskau. Dort winkt man ab. Unterdessen sterben weitere Helfer.

Das Weiße Haus macht Russland für die Attacke von Kampfjets auf einen UN-Konvoi mit Hilfsgütern in Syrien verantwortlich. US-Regierungsbeamte sagten gar, dass nach einer vorläufigen Einschätzung davon ausgegangen werde, dass russische Kampfflugzeuge den Konvoi angegriffen haben. Auch wenn es syrische Kampfjets gewesen sein sollten, hätte Moskau den Angriff verhindern müssen. Russland wies jede Verantwortung "mit Empörung" zurück, kündigte indes eine Untersuchung des Zwischenfalls an. "Das Militär wird die Vorgänge vom 19. September prüfen, um alle Details zu klären", teilte das Außenministerium in Moskau mit.

Bei dem Angriff am Montagabend waren nach Angaben von Hilfsorganisationen 18 von 31 Lastwagen mit Hilfslieferungen der Vereinten Nationen und des Roten Halbmondes sowie ein Lagerhaus für Hilfsgüter des Roten Halbmondes in Orum al-Kubra nahe Aleppo beschädigt und über 20 Zivilisten getötet worden. Die UN stellten vorläufig alle Hilfslieferungen für Hunderttausende notleidende Zivilisten in Syrien ein.

"Alle unsere Informationen besagen eindeutig, dass dieses ein Luftangriff war, für den nur zwei Einheiten verantwortlich sein können: das syrische Regime oder die russische Regierung", sagte der stellvertretende Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, Ben Rhodes. "Auf jeden Fall machen wir Russland für Luftangriffe in dieser Gegend verantwortlich."

Für solche Anschuldigungen gebe es keine Beweise, hieß es in Moskau. Es habe offenbar gar keinen Angriff aus der Luft gegeben. Verantwortlich für die Zerstörungen seien vielmehr Rebellen. Das russische Verteidigungsministerium teilte zudem mit, auf Videoaufzeichnungen einer russischen Drohne sei gut sichtbar, dass Terroristen mit einem Lastwagen den Konvoi begleitet hätten. "Auf dem Fahrzeug steht ein großkalibriger Granatwerfer", sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. Der Vizechef des Verteidigungsausschusses in Moskau, Franz Klinzewitsch, rief die USA mit Nachdruck zur Zusammenarbeit mit Russland im Syrien-Konflikt auf. "Ich sage nicht, dass die USA den Konvoi bombardiert haben. Aber es ist klar, dass sie den Konvoi schamlos für einen Informationskrieg benutzen", kritisierte er.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Angriff . "Offensichtlich besteht aufseiten des Regimes und seiner Verbündeten kaum Interesse an einer politischen Lösung ", ließ Merkel die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer erklären.

Unterdessen wurde ein neuer Angriff auf Hilfseinrichtung in Syrien bekannt. Fünf Ambulanzhelfer seien am Dienstagabend bei einem Angriff auf ein Krankenhaus nahe Aleppo getötet worden, teilte die in Paris ansässige Hilfsorganisation "Union of Medical Care and Relief Organizations" (UOSSM) gestern per Twitter mit. Die Getöteten hätten zu einem Notfall-Team gehört, das gerade im Einsatz gewesen sei. Unklar blieb zunächst, wer für den Angriff verantwortlich war. Die Angriffe seien "kein Zufall" sagte UOSSM-Chef Zaydoun al Zoubi dem Sender. Jemand versuche den humanitären Helfern zu signalisieren, dass sie in Syrien nicht willkommen seien und ins Visier genommen würden.

Dennoch halten die USA und Russland an der brüchigen Waffenruhe in Syrien fest. Die Außenminister John Kerry und Sergej Lawrow betonten gestern im UN-Sicherheitsrat in New York, dass sich alle Konfliktparteien an die Vereinbarung halten müssten.

Quelle: RP
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