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Bekennerschreiben der "Nationalen Bewegung" liegt vor: Brandanschlag auf jüdischen Friedhof

zuletzt aktualisiert: 08.01.2001 - 18:26

Potsdam (AP). Rechtsextremisten haben einen Anschlag auf den jüdischen Friedhof in Potsdam verübt. Die Täter setzten nach ersten Ermittlungen in der Nacht zu Montag das hintere Tor der Trauerhalle in Brand, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. Ein Türflügel, die Fassade und der Innenraum des Gebäudes wurden beschädigt. Menschen kamen nicht zu Schaden. Nach Angaben von Innenminister Jörg Schönbohm fanden Ermittler am Tatort ein Bekennerschreiben der rechtsextremistischen "Nationalen Bewegung".

In den linken hinteren Torflügel der Trauerhalle wurde ein 1,30 Meter mal 25 Zentimeter großes Loch gebrannt, an der Außenfassade und im Innenraum hinterließ das Feuer starke Rußspuren. Schönbohm setzte eine Belohnung von 10.000 Mark für Hinweise auf die Täter aus. Der Staatsschutz wollte am Nachmittag das Bekennerschreiben überprüfen. Die "Nationale Bewegung" ist der Polizei nach Schönbohms Angaben als rechtsradikale Gruppe mit wenigen Mitgliedern bekannt.

Das Feuer war zunächst unbemerkt geblieben, weil der jüdische Friedhof etwas abseits in einem Waldstück liegt. Bereits mehrmals war das Gelände Ziel von Anschlägen. Im vergangenen Oktober hatten Unbekannte einen Galgen auf den Davidstern am Torschild geschmiert. Schönbohm äußerte sich erschüttert über die Tat. "Dieser Anschlag ist nicht nur gegen die deutschen Juden gerichtet, er ist gerichtet gegen das Land Brandenburg, seine Menschen und alle Konfessionen", sagte der CDU-Politiker.

Schönbohm teilte außerdem mit, die Brandenburger Polizei habe am vergangenen Wochenende während mehrerer Razzien bei Rechtsextremisten Waffen, Propagandamaterial und Compact Discs mit einschlägiger Musik beschlagnahmt. Die Gegenstände seien vor allem im Raum Cottbus entdeckt worden, wo am Sonntag etwa 10.000 Menschen gegen Fremdenhass und rechte Gewalt demonstriert hatten.

Landesregierung, Stadt und die Jüdische Gemeinde zu Berlin reagierten am Montag mit Entsetzen und Bestürzung. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sagte der dpa: "Die Gewalt nimmt ein Ausmaß an, das unerträglich ist." Von Überdramatisierung könne keine Rede sein. "Das sind keine Lausbubenstreiche mehr", bemerkte Spiegel. Der Zentralrat beobachte seit Monaten eine wachsende Bereitschaft in der Öffentlichkeit, die rechte Gewalt teilnahmslos hinzunehmen.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, eilte zum Tatort und äußerte sich bestürzt. "Die Zerstörung geht weit über den entstandenen materiellen Schaden hinaus", sagte er der dpa. Nachama forderte die Gesellschaft zur Gegenwehr auf. Der Rechtsextremismus in den neuen Ländern sei lange unterschätzt worden.

Quelle: RPO Archiv

 
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