Kurswechsel: 71-Jähriger folgt auf liberalen Nachama: Brenner neuer Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin
zuletzt aktualisiert: 03.05.2001 - 11:20Berlin (rpo). Der 71 Jahre alte Alexander Brenner ist neuer Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Brenner wurde am Mittwochabend für die kommenden vier Jahre gewählt. Der ehemalige Diplomat folgt dem Historiker Andreas Nachama, der seit 1997 an der Spitze von Deutschlands größter Jüdischen Gemeinde stand. Brenner bekam vor allem die Stimmen der wachsenden Gruppe der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion innerhalb der 12 000 Mitglieder starken Gemeinde.
Mit der Wahl des des Ex-Diplomaten Brenner zeichnet sich ein Kurswechsel ab. Der dem konservativen Flügel zugerechnete bereitete dem bisherigen Vorsitzenden, Andreas Nachama, eine schwere Schlappe. Der als liberal geltende 49- jährige Historiker scheiterte bereits bei der Wahl zum fünfköpfigen Gemeindevorstand.
Brenner sagte nach seiner Wahl, Nachama sei es nicht gelungen, die Gräben innerhalb der Gemeinde zu überwinden. Er warf dem früheren Vorstand vor, nicht genügend für die Integration der jüdischen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion unternommen zu haben. Sie stellen bereits etwa zwei Drittel der Gemeindemitglieder.
Nachama will nun als Geschäftsführender Direktor zum NS- Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" zurückkehren. Von diesem Posten hatte er sich nach seiner Wahl beurlauben lassen.
Der neue Vorsitzende Brenner will die kulturelle und religiöse Bindung der nachkommenden Generationen an die Gemeinde in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen. Gleichzeitig müsse die Berliner Gemeinde wieder eine größeres Gewicht innerhalb des Zentralrates der Juden in Deutschland bekommen, sagte der 70-Jährige. Heftig kritisierte er verzerrte Informationen über die Lage in Israel.
Der 1930 in Polen geborene Brenner war Ende der dreißiger Jahre mit seiner Familie von der Sowjetunion nach Sibirien deportiert worden. Nach dem Krieg wanderte die Familie nach Israel aus. Brenner kam nach Deutschland. Nach einer wissenschaftliche Laufbahn trat er Anfang der siebziger Jahre in den diplomatischen Dienst der Bundesrepublik ein. Als Botschaftsrat in Moskau und Israel kümmerte er sich vor allem um die wissenschaftliche Zusammenarbeit.
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