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London
Britisches Grillfest mit den Obamas

London. Der US-Präsident erreicht mit seinem Staatsbesuch in Großbritannien gleich zwei Ziele: Er bessert sein Image in Europa auf und produziert zugleich attraktive Fernsehbilder für den anstehenden Wahlkampf in den USA. Doch auch Gastgeber David Cameron profiliert sich. Von Alexei Makartsev

Einfach nur "enge Partnerschaft" ist ihnen nicht genug. Ihre Länder verbinde jetzt eine spezielle, einzigartige und unabdingbare Freundschaft, versichern US-Päsident Barack Obama und der britische Premier David Cameron. Vergessen scheinen die Streitereien über die Schuld an der Ölpest im Golf von Mexiko und die Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset Ali al Megrahi auf Veranlassung der britischen Regierung.

Premier und Präsident demonstrierten gestern der Welt diese neue Beziehung: Bestens gelaunt schaufelten sie Gegrilltes auf die Teller von Veteranen im Garten der Londoner Downing Street. Obama war für die Würstchen zuständig und Cameron für die Burger. Die Sonne strahlte, eine Militärkapelle spielte gedämpfte Marschmusik, der Wind in den Bäumen schaukelte patriotische Papiergirlanden in weiß, blau und rot, mit breitem Lächeln teilten die First Ladys den Salat aus. In Krawatten und weißen Hemden mit hochgekrempelten Ärmeln scherzten beide "speziellen Freunde" mit den hochdekorierten Offizieren und sorgten dafür, dass das Fleisch in den Töpfen heiß blieb.

Etwa eine Stunde später sprachen Obama und Cameron auf einer Pressekonferenz – diesmal ohne den Hauch eines Lächelns – von der Notwendigkeit, die Gangart gegenüber Libyen zu verschärfen. Er würde gerne dem Tyrannen Muammar al Gaddafi "einheizen", sagte der Brite, während der Amerikaner zustimmend nickte.

Cameron und Obama hatten am Tag zuvor bei einem Schulbesuch in London gegen zwei 16-jährige Schüler Tischtennis gespielt – und trotz sichtlicher Anstrengungen klar verloren. Das hinderte jedoch die beiden Regierungschefs gestern nicht daran, sich als Siegertypen zu präsentieren. Die erfolgreiche "spezielle Freundschaft" zwischen zwei Atommächten sei ein Musterbeispiel der Demokratie und eine "tragende Säule der globalen Sicherheit", versicherte der amerikanische Präsident dem sichtlich geschmeichelten Gastgeber.

Beide Politiker verteidigten den militärischen Einsatz der Nato in Libyen und forderten Gaddafi zum Rückzug auf. Dabei ließen sie offen, wie lange und mit welchen Mitteln die Allianz weiter versuchen würde, die UN-Resolution 1973 durchzusetzen. Großbritannien will angeblich "Apache"-Kampfhubschrauber entsenden, doch das wollte Cameron gestern nicht direkt bestätigen. Obama warnte vor übertriebenen Erwartungen an den schwierigen Militäreinsatz. Die Zeit spiele für die Nato, die Gaddafi zermürben werde, sagte er. "Wir müssen nur weiter entschlossen vorgehen." Cameron und Obama versprachen Hilfe für die Menschen, die während des arabischen Frühlings für mehr Demokratie kämpfen.

Obamas erster Staatsbesuch in Großbritannien und zuvor in Irland sollten sein Image in Europa verbessern und ihm zugleich einige attraktive Fernsehbilder für den baldigen Wahlkampf in seiner Heimat liefern. Cameron hoffte vor allem darauf, sein außenpolitisches Profil zu schärfen. Beide dürften ihre Ziele erreicht haben.

Die Gespräche der beiden drehten sich um die Krisen in Nordafrika, Nahost und Afghanistan. Die "politische Lösung" im Krieg gegen die Taliban würde in den kommenden Monaten zur "wichtigsten Priorität" werden, sagte Cameron. Das bedeutet: Friedensgespräche mit dem Feind. Obama erinnerte erneut an die drei Vorbedingungen dafür: Loslösung von al Qaida, Gewaltverzicht und Respekt für die afghanische Verfassung.

Am Nachmittag durfte Obama eine Ansprache in Westminster vor rund 1000 Lords und Parlamentariern halten. Er ist seit dem Zweiten Weltkrieg erst der vierte Staatschef, dem solche Ehre zuteilwird. Die 50-minütige Ansprache handelte vom gemeinsamen Erbe der Briten und der Amerikaner und der Notwendigkeit, für Frieden und Demokratie zu kämpfen. Die Welt stünde an einem "Wendepunkt". Nach einem "schwierigen Jahrzehnt" sollten beide Länder die Führungsrolle übernehmen. Obama beschrieb sich bescheiden als der "Enkel eines Mannes aus Kenia, der als Koch in der britischen Armee gedient hat". Am Ende seiner Ansprache schwenkte die Kamera auf das Gesicht von David Cameron, in dessen Augen Tränen glänzten.

Internet Fotos von Obamas Reise www.rp-online.de/gesellschaft

Quelle: RP
 
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