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Medienberater Peichl und Christiansen
Sie machen Schulz und Merkel fit fürs TV-Duell

Bundestagswahl 2017: Medienberater machen Merkel und Schulz fit fürs TV-Duell
FOTO: dpa
Berlin. Am Sonntagabend liefern sich Merkel und Schulz ihren einzigen direkten Schlagabtausch im Wahlkampf. Entscheidend dürfte beim TV-Duell sein, wer kompetenter auf die Zuschauer wirkt. Die Medienberater Eva Christiansen und Markus Peichl basteln deshalb am Image ihrer Chefs. Von Michael Bröcker und Eva Quadbeck

Den SPD-Herausforderer wird ein Mann auf das Fernsehduell vorbereiten, der eigentlich den österreichischen Kanzler im Wahlkampf unterstützen sollte. Markus Peichl, 59, Österreicher, Fernsehpionier, Coach, Galerist. Peichl, ein überzeugter Sozialdemokrat, lebt seit 1985 in Deutschland und beriet schon Frank-Walter Steinmeier im Bundestagswahlkampf 2009.

Peichl fühlt sich als Berliner, kennt sich mit der deutschen Politik bestens aus. Auch deswegen sagte er rasch Ja, als ihn Markus Engels, Berater von Martin Schulz, um ein Coaching des Kandidaten bat. Peichl gilt als Talkshow-Pionier, war Kreativchef bei Alfred Biolek, später arbeitete er als Produzent der ARD-Sendung "Beckmann". Außerdem war er Gründer und Chefredakteur des Zeitgeist-Magazins "Tempo", in Berlin führt er nebenbei eine renommierte Galerie.

Schulz ist rhetorisch stark, direkt, offen

Als klassischer Fernsehmann versucht er nicht, aus dem Politiker einen Fernsehstar zu konstruieren, sondern stärkt dezent, aber wirkungsvoll die Stärken des jeweiligen Kandidaten. So erzählt es einer, der schon 2009 dabei war. Zum aktuellen TV-Duell möchte Peichl nichts sagen. Dennoch dürfte die Taktik klar sein. Schulz ist rhetorisch stark, direkt, offen. Peichl muss aufpassen, dass der impulsive SPD-Chef nicht zu aggressiv wirkt.

Gesten, Mimik sind bei einem TV-Duell mindestens so wichtig wie der Inhalt, weiß auch Peichl. Und direkte Attacken gegen die Kanzlerin kommen nicht gut an. Gegen die Kanzlerin, die ihre Gelassenheit und Erfahrung ausstrahlen wird, muss Schulz Neugier wecken, als sympathische Alternative öffentlich werden. Und trotzdem die Lücke finden, bei der Merkel zu packen ist.

In Schulz' Team werden alle öffentlichen Auftritte der Kanzlerin seziert, auch das Duell wird geprobt. Wer Merkel spielt, ist nicht bekannt. Auch an einem zentralen Abschlusssatz dürfte gebastelt werden. Aus dem letzten Kanzler-Duell 2013 ist bei den Zuschauern vor allem Merkels Satz "Sie kennen mich" hängengeblieben. Damit reizte Merkel ihren Amtsbonus geschickt aus, auf den sie auch in diesem TV-Duell setzen wird.

Merkels Detailwissen ist ihre Stärke

Rund um Kanzlerin Merkel gibt es ein eingespieltes Team, das sie berät und auch auf das TV-Duell vorbereitet. Die wichtigste Person für die Auseinandersetzung mit Schulz vor Millionen-Publikum ist Medien-Beraterin Eva Christiansen. Sie berät Merkel umfassend vom äußeren Erscheinungsbild über die Stimmungslage in der Bevölkerung bis zu Einschätzungen aktueller politischer Fragen.

Bei früheren TV-Duellen wurde Merkel auch von Christiansen begleitet. Das konfrontative Format liegt Merkel eher nicht. Ihr Vorteil aber ist, dass sie dank ihres Detailwissens auf allen politischen Feldern wird punkten können. Diese Stärke will sie noch einmal versuchen, vor dem Duell auszubauen, indem sie viel liest. Zudem analysiert sie die Fragen, die ihr bei den vergangenen Duellen gestellt wurden.

Merkel und Schulz kennen sich persönlich gut. Als er noch Europaparlamentspräsident war, arbeiteten sie vertrauensvoll zusammen. Teil von Merkels Strategie wird wohl auch sein, sich ein Bild davon zu machen, wie Schulz agiert. Ihre Fähigkeit, das Gegenüber gut einzuschätzen, ist eine ihrer Stärken.

Quelle: RP
 
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