Verdacht auf Blutkrebs-Erkrankungen: Bundeswehr und Grüne für Verbot von Uranmunition
zuletzt aktualisiert: 05.01.2001 - 15:24Frankfurt/Main (AP). Der Bundeswehrverband und die Grünen haben sich für ein Verbot uranhaltiger Munition ausgesprochen. Die Geschosse der US-Streitkräfte stehen im Verdacht, Blutkrebs-Erkrankungen von NATO-Soldaten auf dem Balkan verursacht zu haben.
Die grüne Verteidigungsexpertin Angelika Beer sagte im Westdeutschen Rundfunk, die Bundesregierung solle sich auf dem NATO-Treffen kommende Woche in Brüssel für eine internationale Ächtung von Uranmunition und Splitterwaffen einsetzen, möglicherweise gemeinsam mit Frankreich und Italien.
Der Vorsitzende Bernhard Gertz sagte am Freitag im Norddeutschen Rundfunk, auch geringe gesundheitliche Risiken könnten vermieden werden, indem man panzerbrechende Munition ohne Uran verwendet. Er bezweifelte jedoch zugleich, dass die gemeldeten Leukämie-Fälle tatsächlich auf den Einsatz von Uranmunition zurückzuführen sind.
Auch der Inspekteur des Bundeswehrsanitätsdienstes, Karl Demmer, sprach sich für eine Ächtung von Uranmunition aus, vor allem wegen der nicht absehbaren gesundheitlichen Folgen für die Zivilbevölkerung. Die gegenwärtige Diskussion über erkrankte Soldaten lenke ab von den dauerhaften Gefahren für die einheimische Bevölkerung. Im ARD-Morgenmagazin sagte er: "Man sollte eine Munition entwickeln, die wirklich nur ihre zweckgebundene Wirkung erfüllt und keine zusätzlichen Gesundheitsgefahren mit sich bringt, die nicht kontrollierbar sind und nicht kontrolliert werden können."
Gertz sagte zum Blutkrebsverdacht bei Soldaten: "Leukämie entwickelt sich langfristig, und deswegen ist es eher überraschend, wenn es Krankheitsverläufe geben sollte, die so kurz nach einer Explosion mit uranhaltiger Munition zu einem solchen Verlauf führen." Naheliegende Symptome seien nach Erkenntnissen von Medizinern eher Verdauungsstörungen und Nierenversagen. Mit am gefährlichsten sei das Einatmen uranhaltiger und giftiger Metallstäube. Gertz verwies erneut auf wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen es unter deutschen Soldaten bislang keinen Verdachtsfall auf das so genannte "Balkan-Syndrom" gebe.
Am Donnerstag hatte das französische Verteidigungsministerium erklärt, vier Soldaten, die 1999 im Kosovo gedient hätten, seien an Leukämie erkrankt. In Italien sind bislang sechs auf dem Balkan eingesetzte Soldaten an Krebs gestorben. Die USA waren den wachsenden Sorgen europäischer Nato-Staaten über Gesundheitsgefahren durch amerikanische Uranmunition entgegen getreten.
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