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Präsident spricht über Irak und Nordkorea: Bush: Verschiedene Teile der "Achse des Bösen"

zuletzt aktualisiert: 18.10.2002 - 14:47

Washington (rpo). Nordkorea muss im Gegensatz zum Irak keinen Angriff der USA fürchten, hat US-Präsident George W. Bush betont. Die Vereinigten Staaten würden die "Achse des Bösen" unterschiedlich bewerten.

Die USA stehen nach dem überraschenden Eingeständnis Nordkoreas, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten, vor einem großen Dilemma: Für die Regierung stellt sich die Frage, ob sie zwei Konflikte riskieren will, indem sie gegen Pjöngjang denselben harten Kurs einschlägt wie gegen Bagdad.

Vordergründig betrachtet sind die Vorwürfe gegen Nordkorea und Irak dieselben. Beide Länder stehen den USA feindselig gegenüber und arbeiten unter Missachtung internationaler Vereinbarungen an der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Im Falle Iraks sind die Vereinigten Staaten notfalls zum Krieg bereit, um die Führung in Bagdad zu einer Änderung ihrer Politik zu zwingen. Den Konflikt mit Nordkorea will die Regierung nach eigenem Bekunden diplomatisch lösen.

Ein Krieg gegen Nordkorea wäre nach Ansicht von Militäranalysten weitaus gefährlicher als gegen Irak. Er könnte zehntausenden US-Soldaten das Leben kosten und Russland, China, Südkorea und Japan mit hineinziehen. In Südkorea sind seit dem Ende des Koreakriegs 1953 noch 37.000 Soldaten stationiert.

Außerdem sind sich die Experten über die Beweggründe für das Verhalten Nordkoreas nicht einig. Während die Falken in der Regierung von Präsident George W. Bush und im Kongress das nordkoreanische Eingeständnis als Ausdruck von Aggressivität betrachten, sehen andere darin einen - wenn auch ungeschickten - Versuch des abgeschotteten Landes, in intensivere Verhandlungen mit Washington einzutreten. Sie verweisen darauf, dass sich das verarmte Nordkorea seit längerem um eine Öffnung bemüht.

"Wenn man mit Härte an die Sache herangeht, wird alles noch komplizierter", meinte Bill Taylor vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington. "Nur weil wir am Ende eventuell militärisch gegen Irak vorgehen müssen, bedeutet das noch lange nicht, dass wir auch gegen Nordkorea und Iran zu denselben Mitteln greifen müssen."

Präsident Bush hatte im Februar Irak zusammen mit Nordkorea und Iran als "Achse des Bösen" bezeichnet. Diese Einordnung könnte nun Bemühungen erschweren, die drei Staaten unterschiedlich zu behandeln. Der republikanische Senator Jon Kyl befürwortet eine harte Haltung auch gegenüber Nordkorea: "Einige dachten, Bush sei mit dem Vergleich zu weit gegangen. Ich meine jedoch, dies zeigt nur, dass er wusste, wovon er spricht", sagte Kyl. Es sei wichtig, dass die Regierung in den kommenden Tagen Härte gegenüber Nordkorea zeige und keinen Unterschied mache zwischen dem Regime in Pjöngjang und Regimen wie dem von Saddam Hussein.

Anders als im Falle Iraks zeigt sich die Regierung jedoch zurückhaltend hinsichtlich einer möglichen militärischen Konfrontation mit Nordkorea. So sagte Bushs Sprecher Scott McClellan, der Präsident betrachte das nordkoreanische Eingeständnis als beunruhigend und ernst. Er wolle das Thema jedoch über diplomatische Kanäle erörtern. "Wir wollen eine friedliche Lösung", sagte McClellan. Ein hoher Beamter im Weißen Haus erklärte, die Regierung wolle erst einmal herausfinden, weshalb Nordkorea sein Atomwaffenprogramm enthüllt habe. Er deutete an, dass die nordkoreanische Führung eventuell einen Handel mit den USA beabsichtigt und das Atomprogramm dabei als Verhandlungsmasse dienen soll.

Auch Japan und Südkorea mahnen zur Vorsicht

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nimmt dagegen eine härtere Haltung bezüglich der nordkoreanischen Erklärung ein. "Ich weiß nicht, wie jemand von einem guten Signal sprechen kann", sagte Rumsfeld. Außenminister Colin Powell wiederum entgegnete auf die Frage nach einer möglichen Militäraktion gegen Nordkorea: "Derzeit ist nichts in dieser Richtung geplant."

Die Regierungen Japans und Südkoreas mahnten ebenfalls zur Vorsicht, wenngleich auch sie sich besorgt über das nordkoreanische Atomprogramm zeigten. Nordkorea verstößt damit gegen ein Abkommen mit den USA von 1994.

Die Unterzeichnung des Vertragswerks am 21. Oktober 1994 in Genf wurde damals als großer Erfolg gefeiert, mit dem US-Präsident Bill Clinton einen möglichen Krieg auf der koreanischen Halbinsel verhindert habe. In dem vier Seiten umfassenden Abkommen verpflichtete sich die kommunistische Regierung in Pjöngjang, ein Programm zur Entwicklung von Atomwaffen einzufrieren. Im Gegenzug sollte Nordkorea zwei moderne Leichtwasserreaktoren erhalten, hergestellt von einem Industriekonsortium mit amerikanischer Führung und unter Beteiligung von Südkorea und Japan. Kritiker sprachen schon damals von Erpressung - ihnen zufolge soll Nordkorea bewusst die Ängste vor einem Atomwaffenprogramm geschürt haben, um Zugeständnisse zu erreichen.

Quelle: RPO Archiv

 
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