Öffentlichkeit wurde nicht informiert: Bush wurde vor Flugzeug-Entführungen gewarnt
zuletzt aktualisiert: 16.05.2002 - 21:49Washington (rpo). US-Präsident George W. Bush ist vor den verheerenden Anschlägen in New York und Washington vor Flugzeugentführungen durch bin Laden-Anhänger gewarnt worden. Dies bestätigte das Weiße Haus.
US-Präsident George W. Bush hat bereits einen Monat vor dem 11. September Warnungen vor möglichen Flugzeugentführungen erhalten. Wie das Weiße Haus einräumte, informierte die US-Regierung nach der Warnung des Geheimdienstes Anfang August die zuständigen Behörden über die Gefahr. Bush und seine Berater hätten aber keine Hinweise darauf gehabt, dass Flugzeuge als Waffen eingesetzt werden könnten, erklärte Präsidentensprecher Ari Fleischer am Mittwoch in Washington. Im Kongress wurden Rufe nach einer eingehenden Untersuchung des Vorgangs laut.
Fleischer sagte, auch über einen möglichen Anschlagszeitpunkt hätten keine Informationen vorgelegen. Es habe seit langem Spekulationen über mögliche Entführungen durch Anhänger des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden gegeben. Wie aus Regierungskreisen verlautete, wurde der Präsident darüber bei einem oder mehreren Routinetreffen mit dem Geheimdienst CIA im Sommer vergangenen Jahres informiert. Laut Fleischer gab es auch Drohungen, die mit Bin Laden in Verbindung gebracht wurden.
Die Warnungen seien jedoch nicht veröffentlicht worden, die Behörden seien stillschweigend vor möglichen Entführungen "im traditionellen Sinn" gewarnt worden. Die allgemeinen Informationen seien auch an die Fluglinien weitergegeben worden. Möglicherweise hätten die Flugzeugentführer vom 11. September daher Teppichmesser und Plastikwaffen genutzt, um den verschärften Kontrollen zu entgehen, sagte Fleischer.
Mit den Äußerungen Fleischers vom Mittwoch wurde erstmals eine direkte Verbindung zwischen Bush und Geheimdienstinformationen gezogen, die vor den Anschlägen gesammelt wurden. Ermittler des US-Kongresses untersuchen derzeit, ob die Regierung auf Warnungen vor dem 11. September nicht angemessen reagiert hat. Ein Mitglied des Geheimdienstausschusses im Senat, John Edwards, erklärte am Donnerstag im Fernsehsender ABC: "Da hätten alle Alarmglocken klingeln müssen." Der Vizevorsitzende des Ausschusses, Richard Shelby, erklärte, das Gremium habe damals dieselbe allgemeine Warnung erhalten.
Warnung vor Arabern in Flugschulen
Shelby warf die Frage auf, warum das Weiße Haus so lange gewartet habe, bis es Bushs Kenntnis der Warnung einräumte. "Ich glaube, darauf hätte reagiert werden müssen, aber das ist nicht geschehen." Der Minderheitsführer im Abgeordnetenhaus, Dick Gephardt, sagte, der Kongress müsse in öffentlichen Anhörungen herausfinden, was Bush wann gewusst habe und was mit diesen Informationen passiert sei. Möglicherweise seien dafür weitere Ermittlungen nötig.
Auch der Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, rief Bush am Donnerstag auf, den Ermittlern des Kongresses die gesamten Unterlagen über seine Unterrichtung durch den Geheimdienst zugänglich zu machen. Darüber hinaus müsse auch eine jüngst bekannt gewordene Notiz der Bundespolizei FBI veröffentlicht werden, in der deren Büro in Arizona die Zentrale im Juli vor verdächtigen Aktivitäten von Arabern in US-Flugschulen warnte. "Wir müssen die Fakten vorgelegt bekommen", sagte Daschle.
Das Weiße Haus wies jede Kritik daran zurück, dass diese Hinweise erst jetzt ans Licht gebracht wurden. Präsidentensprecher Ari Fleischer erklärte, zu dem Zeitpunkt sei nicht vorauszusehen gewesen, dass Terroristen Flugzeuge in fliegende Bomben verwandeln würden.
Arbeiten an "Ground Zero" vor dem Abschluss
Die Aufräumarbeiten an "Ground Zero" können nach Schätzungen der New Yorker Behörden schon bis Anfang Juni abgeschlossen sein. Rund 90.000 Tonnen Trümmer liegen derzeit noch auf dem Gelände des eingestürzten World Trade Centers - im September waren es noch 1,7 Millionen Tonnen Trümmermasse, die sich in einer Höhe von etwa zehn Stockwerken auftürmten. Zunächst ging die Feuerwehr davon aus, dass es rund ein Jahr dauern würde, die Reste der Zwillingstürme zu beseitigen.
Nach Abschluss der Arbeiten soll dann mit einer großen Gedenkveranstaltung an die mehr als 2.800 Opfer erinnert und den unermüdlichen Helfern gedankt werden. Ein Datum wollen die Behörden erst noch festlegen. Im Gespräch ist aber der 11. Juni, neun Monate nach den Anschlägen.
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