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Persönlich
Can Dündar . . . schreibt Merkel einen Brandbrief

Auch in der Türkei sind die vierte Gewalt im Staat die Medien. Das will zwar der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit aller Macht verhindern, doch gelingt es ihm nicht, die Presse ruhigzustellen. Ein "Querulant" ist Can Dündar, 54 Jahre alt, seit 2013 Chefredakteur der sozialdemokratisch und säkular geprägten Istanbuler Tageszeitung Cumhuriyet - zu Deutsch "Republik". Aufgrund der regimekritischen Publikationen wurde sie von der Organisation "Reporter ohne Grenzen" als Medium des Jahres ausgezeichnet. In den Augen des Machthabers Erdogan ist ihr Chefredakteur Dündar, der in England Politik studierte, aber die Inkarnation des Bösen. Immer wieder veröffentlicht Dündar provokantes Material. Am 24. April widmete das Blatt seine Titelseite mit der auf Armenisch geschriebenen Schlagzeile "Nie wieder" dem 100. Jahrestag des Genozids an den Armeniern. Eine riesige Provokation, der Völkermord wird von der Türkei - Erdogan allen voran - noch immer bestritten. Im Mai veröffentlichte Dündar zudem belastende Videos und Fotos, die türkische Waffenlieferungen an syrische Extremisten beweisen sollten.

Erdogan stellte persönlich Strafanzeige gegen Dündar. Mit der fadenscheinigen Begründung, "terroristische Vereinigungen zu unterstützen und zu spionieren", ließ der türkische Präsident ihn verhaften, in der Hoffnung, ihn der Öffentlichkeit zu entziehen.

Doch Dündar verschafft sich trotz U-Haft Gehör. Anlässlich des gestrigen EU-Sondergipfels mit der Türkei veröffentlichte seine Zeitung einen Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dündar kritisiert ihre Verhandlungen mit der Türkei, die "jede Achtung und Respekt für die Meinungs- und Pressefreiheit vermissen" lässt, schreibt er. Er hofft, dass der Wunsch nach einer Lösung in der Flüchtlingskrise Merkel nicht davon abhalten werde, "weiterhin die westlichen Werte wie Meinungs- und Pressefreiheit zu verteidigen".

Kilian Treß

Quelle: RP
 
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