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Vorbereitungen in Frankreich: Castor wird reisefertig gemacht

zuletzt aktualisiert: 23.03.2001 - 16:52

Frankfurt/Valognes (rpo). Des erste Castor-Transport seit vier Jahren wird reisefertig gemacht: Die technischen Vorbereitungen im Verladebahnhof Valognes (Normandie) verliefen am Freitag planmäßig. Hierzulande steigt die Spannung vor möglichen Protestaktionen.

Nach Greenpeace-Angaben wurden in Valognes bis zum Nachmittag mindestens vier der sechs Atommüll-Behälter auf die Schiene gesetzt.

Die niedersächsischen Grünen beklagten unterdessen eine Diffamierung der gewaltfreien Protestbewegung und warnten vor einer Eskalation im Wendland. Außenminister Joschka Fischer rief zum Gewaltverzicht auf.

Greenpeace-Mitarbeiter Sven Teske sagte in Valognes, derzeit werde der Castor-Zug zusammengestellt, der am Montagmorgen auf die Reise nach Gorleben geht. Nach Informationen französischer Anti-Atom-Gruppen soll er kurz vor Mitternacht beim elsässischen Lauterburg die Grenze nach Deutschland passieren. Alle sechs Castor-Behälter sind in den vergangenen Tagen auf Lastwagen aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague zu dem rund 40 Kilometer entfernten Verladebahnhof gebracht worden.

Das französische Atomunternehmen Cogema und Greenpeace haben in Valognes Webcams installiert.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im niedersächsischen Landtag, Harms, erklärte im Südwestrundfunk, sie ärgere sich maßlos über die Strategie der Bezirksregierung Lüneburg sowie der Polizei, Gewalt herbeizureden. Die Stimmung rund um Gorleben eskaliere, weil sich Polizei und Bezirksregierung offenbar "große Mühe" gäben, die Demonstrationsrechte auszuhebeln. So seien etwa alle Camps, die wie immer zur Unterbringung auswärtiger Demonstranten angemeldet worden seien, verboten worden.

"Wir müssen diesen Müll zurücknehmen"

Außenminister Fischer rief vor Beginn des ersten Castor-Transports unter einer rot-grünen Bundesregierung erneut zu einem Gewaltverzicht auf. Auch die Transportgefährdung der Bahn sei inakzeptabel, sagte der Grünen-Politiker. Völlig legitim seien dagegen friedliche Demonstrationen - gerade in der Region - auf der Grundlage des Grundgesetzes. "Jeder Grüne ist mit dem Herzen gegen die Atomkraft, aber wir müssen diesen Müll zurücknehmen", sagte Fischer der "Rhein-Neckar-Zeitung". Das sei das Dilemma des Ausstiegs.

FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte von den Parteivorsitzenden der Grünen, die an den Protesten in Gorleben teilnehmen wollen, eine deutliche Absage an Sitzblockaden und Behinderungen jenseits von Demonstrationen.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) warnte vor einer Verharmlosung der Bahnanschläge von Castor-Gegnern. Diese kriminelle Energie dürfe nicht verharmlost oder als heldenhafter Widerstand glorifiziert werden.

Quelle: RPO Archiv

 
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