Irans Staatschef hält Rede vor Diplomaten: Chatami: Plädoyer für Demokratie
zuletzt aktualisiert: 12.08.2000 - 18:28Teheran (dpa). Der reformorientierte iranische Staatschef Mohammed Chatami hat am Samstag ein klares Plädoyer für Demokratie und Menschenrechte gehalten. Ohne Demokratie werde Iran keine internationale Achtung erringen. "Achtung und Menschenrechte nicht nur im Innern, sondern in der Gesamtheit der internationalen Gemeinschaft erhält man nur durch das Eintreten für Demokratie", sagte Chatami vor iranischen Diplomaten.
Die "islamische Demokratie" in seinem Land sei von Bedeutung für die ganze moslemische Welt, "und ihr Scheitern wäre nur im Interesse der hegemonistischen Mächte", meinte der iranische Staatspräsident. "Ich lehne die Idee ab, dass der Islam nicht zur Demokratie passt..., sie ergänzen sich gegenseitig", sagte Chatami.
Er widersprach damit dem konservativen schiitischen Klerus, der in der westlichen Demokratie eine Unterhöhlung des islamischen Gottesstaates sieht.
In Iran tobt seit Monaten ein Machtkampf zwischen Reformern um Chatami und dem radikalschiitischen Flügel der Ajatollahs, wobei letztere mit dem Verbot von über 20 reformorientierten Presseorganen offenbar versuchen, die Ideen Chatamis im Volk tot zu schweigen.
Chatami, der zeitweise in Deutschland gelebt hat, betonte: "Die Macht gründet sich auf den öffentlichen Willen und untersteht der Aufsicht des Volkes... Die Demokratisierung von Regierungen ist das beste Mittel (zu diesem Zweck), aber sie sollte mit der historischen, religiösen und nationalen Identität jeder Nation vereinbar sein." Iran könne sich nicht international isolieren, das könnten nicht einmal die Großmächte.
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