Nach Wahl in Taiwan: China braucht noch Zeit
zuletzt aktualisiert: 21.03.2000 - 10:53Peking (dpa). Die USA haben eine diplomatische Initiative begonnen, um China und Taiwan zur friedlichen Lösung ihrer Probleme zu drängen. Nach dem Wahlsieg des Oppositionskandidaten Chen Shui-bian erbat sich Peking am Dienstag mehr Zeit, um die Lage einzuschätzen. Die Aktienbörse in Taipeh erholte sich deutlich.
Auf eine Frage, ob die Niederlage der Kuomintang-Partei nach fünf Jahrzehnten Herrschaft über Taiwan nicht auch eine neue Gelegenheit für die Beziehungen biete, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Sun Yuxi: "Wir brauchen Zeit, um zu hören, was sie sagen, und zu sehen, was sie tun."
Staats- und Parteichef Jiang Zemin empfing den amerikanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Richard Holbrooke. Im Gespräch mit Holbrooke hatte zuvor Außenminister Tang Jiaxuan die USA aufgefordert, die Taiwanfrage mit Umsicht zu behandeln und "ihre Empfindlichkeit und Komplexität" zu verstehen.
Taiwan sei eine "interne Angelegenheit Chinas". Die Vorbedingung für eine friedliche Lösung sei der "Ein-China-Grundsatz", sagte Tang Jiaxuan nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Damit definiert China seinen Machtanspruch über Taiwan, das seit 1949 nur als abtrünnige Provinz betrachtet wird. Holbrooke sah auch den für Wiedervereinigungsfragen zuständigen Vizepremier Qian Qichen.
Im Zuge seiner diplomatischen Offensive schickt US-Präsident Bill Clinton nächste Woche auch Sicherheitsberater Sandy Berger nach Peking. Zusätzlich wird am Mittwoch der frühere Kongressabgeordnete Lee Hamilton als US-Sonderbotschafter in Taipeh erwartet. Hamilton wird mit Chen Shui-bian, dem scheidenden Präsidenten Lee Teng-hui und Verteidigungsminister Tang Fei konferieren.
Nach den Stützungskäufen der Regierung an der Börse in Taipeh und der gemäßigten Reaktion aus Peking auf die Präsidentenwahl fassten Investoren wieder Zuversicht und ließen den Aktienindex sogar um 5,5 Prozent steigen. Der Wahlsieg von Chen Shui-bian hatte am Vortag noch zu einem Einbruch geführt, doch hat die Regierung Verluste in einer Vorsichtsmaßnahme auf 3,5 Prozent limitiert.
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