Beziehungen belastet: China empört über Dalai Lama in USA
zuletzt aktualisiert: 24.05.2001 - 15:12Peking/Washington (rpo). Der Besuch des Dalai Lamas bei US-Präsident George W. Bush sorgt in Peking für Verärgerung. Dem amerikanischen Botschafter in China wurde ein Protestschreiben übergeben. Die diplomatischen Beziehungen der beiden Staaten sind demnach einer weiteren Belastungsprobe ausgesetzt.
Auch protestierte der Sprecher des Außenministeriums, Zhu Bangzao, dagegen, dass die USA dem Präsidenten Taiwans, Chen Shui-bian, erlaubten, auf dem Weg nach Lateinamerika in den USA Zwischenstation zu machen.
Der Geschäftsträger der US-Botschaft in Peking, Michael Marine, wurde am Vortag ins Außenministerium einbestellt, wo ihm der formelle Protest gegen das Visum an Chen Shui-bian übergeben wurde. Die USA hätten ihre Verpflichtungen gegenüber China verletzt, den Unabhängigkeitskräften in Taiwan Auftrieb gegeben und sich in Chinas innere Angelegenheiten eingemischt, sagte der Sprecher.
Zum Treffen von Bush mit dem geistlichen und religiösen Führer der Tibeter wiederholte der Sprecher, Tibet sei Teil Chinas. Die USA hätten damit internationale Normen verletzt. Der Dalai Lama sei nicht eine rein religiöse Figur, sondern in separatistische Aktivitäten verwickelt. China hatte am Mittwoch den 50. Jahrestag der «friedlichen Befreiung» Tibets gefeiert.
Die Begegnung mit dem Dalai Lama wurde jedoch von der US-Regierung als privat bezeichnet. Bush sagte nach Angaben seines Sprechers Ari Fleischer dem Gast Unterstützung bei dessen Bemühungen um die Eröffnung eines Dialogs mit China zu. Der US-Präsident will sich außerdem weiterhin für die Wahrung der «einzigartigen religiösen und kulturellen» Traditionen Tibets und die Achtung der Menschenrechte für alle Bürger einsetzen.
Der Dalai Lama nannte das Gespräch mit dem Präsidenten «sehr gut». Er appellierte nach eigenen Angaben bei der Begegnung an Bush, gute Wirtschaftsbeziehungen zu China zu unterhalten, aber zugleich in Fragen der Menschenrechte «offen und klar» zu sein. Er habe außerdem Bush gebeten, der Pekinger Führung mitzuteilen, dass er - der Dalai Lama - keine Unabhängigkeit für Tibet, sondern «wahre Selbstregierung» anstrebe.
Zhu Bangzao kündigte am Donnerstag in Peking an, das am 1. April auf der südchinesischen Insel Hainan notgelandete US-Spionageflugzeug werde zerlegt und in Teilen in die USA zurücktransportiert. Der US- Aufklärer war mit einem chinesischen Kampfjet kollidiert. Die USA hatten zunächst gefordert, die nach ihrer Ansicht flugfähige Maschine zurückzufliegen, was Peking abgelehnt hatte.
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