Bruder reiste im Oktober nach Peking: China: Gespräche mit Dalai Lama
zuletzt aktualisiert: 05.12.2000 - 14:20Peking/Neu Delhi (dpa). China hat den Dialog mit dem Dalai Lama, dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, wieder aufgenommen. Der Bruder des Dalai Lama, Gyalo Thondup, reiste im Oktober nach Peking. Der Dalai Lama hat inzwischen eine chinesische Botschaft beantwortet und vorgeschlagen, eine Delegation nach China zu schicken. Das sagte ein Vertreter der tibetischen Exilregierung am Dienstag in Dharamsala in Indien.
Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Zhang Qiyue, bestätigte in Peking: "Es gibt Kanäle für Kontakt." Er war seit 1998 eingefroren. China hält Tibet seit 50 Jahren besetzt.
Der Dalai Lama (65) hatte die Reise seines älteren Bruders, der ebenfalls im Exil lebt, in Dharamsala bekannt gegeben. Dort fanden am Montag und Dienstag Feiern zum 50. Jahrestag der Amtsübernahme des Dalai Lama als weltlicher Herrscher Tibets statt. Der Dalai Lama war 1940 als geistliches Oberhaupt inthronisiert worden und hatte am 17. November 1950 auch das Amt des Regierungschefs übernommen, nachdem China kurz zuvor in Tibet einmarschiert war. Nach einem Aufstand gegen die chinesischen Fremdherrscher war der Dalai Lama 1959 zusammen mit 100 000 Landsleuten ins indische Exil geflohen.
Tenzing Taklha, der Sprecher des Dalai Lama, sagte, dessen Bruder sei auf Einladung Chinas nach Peking gereist und habe eine Botschaft mitgebracht, deren Inhalt jedoch noch nicht veröffentlicht wurde. Die Sprecherin des Außenministeriums in Peking wiederholte am Dienstag nicht die üblichen persönlichen Angriffe auf den Dalai Lama, warf ihm aber Aktivitäten vor, das Land zu spalten. Diese müssten enden, auch müsse er "die tibetische Unabhängigkeit wirklich aufgeben", sagte die Sprecherin, obwohl der Dalai Lama das schon lange nicht mehr fordert.
Ferner müsse der Dalai Lama öffentlich anerkennen, "dass Tibet ein untrennbarer Teil des chinesischen Territoriums ist, Taiwan ein Teil Chinas und die Regierung der Volksrepublik die einzig rechtmäßige Regierung, die ganz China repräsentiert". "Wenn er diese Bedingungen akzeptiert, ist die Zentralregierung zu Verhandlungen bereit." Taklha sagte, der Dalai Lama fordere nach wie vor nicht die Unabhängigkeit, sondern lediglich die Autonomie Tibets innerhalb Chinas.
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