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Taipeh
China stationiert Raketen

Taipeh. Die Spannungen im Südchinesischen Meer steigen damit weiter.

Nach Angaben Taiwans und des US-TV-Senders Fox News hat China Flugabwehrraketen auf einer Insel im Südchinesischen Meer stationiert. Das kommunistische Land habe mehrere Raketen nach Woody Island in der Paracel-Inselgruppe gebracht, teilte das taiwanesische Verteidigungsministerium mit. Um wie viele es sich handelte, gab es nicht bekannt. China versuchte, die Berichte herunterzuspielen. Die Insel wird auch von Taiwan und Vietnam beansprucht.

Das passt zur Strategie Pekings: Schritt um Schritt, Insel um Insel und Waffe um Waffe baut China seine Kontrolle über das Südchinesische Meer aus. Das US-Zentrum für Strategische und Internationale Studien schrieb in seiner jüngsten Studie, dass es Ziel der Volksrepublik sei, das drei Millionen Quadratkilometer große Südchinesische Meer bis 2030 zu ihrem "südchinesischen Binnensee" auszubauen. Sie tue dafür, was sie kann: Chinas zweiter Flugzeugträger ist schon im Bau. Eine ehrgeizige Armeereform mit neuer Rolle für die Marine wurde gerade beschlossen.

Bisher kontrolliert China nur die seinem Festland am nächsten gelegene Xisha-Inselgruppe. 1974 gewann es nach einem kurzen Seekrieg mit Vietnam endgültig die Oberhand über das Paracel-Gebiet, das Vietnam bis heute weiter beansprucht. Mit der Aufstellung von Raketen, die auf der Xisha-Insel vorerst niemanden bedrohen und niemanden schützen, setzt Peking nicht nur neue Zeichen seines Machtanspruchs auf das Meer. Es hat sich auch einen besonderen Zeitpunkt ausgesucht. Peking hat das neue Raketenabwehrsystem scharf kritisiert, das Washington und Seoul in Südkorea als Antwort auf Nordkoreas Atomwaffenaufrüstung aufbauen wollen. Es sieht dadurch eine potenzielle Entwertung seines strategischen Raketenschildes. Ebenso verärgert hat China auf das in den USA gerade zu Ende gegangene Asean-Treffen der zehn südostasiatischen Staaten mit Barack Obama reagiert. Gemeinsam sprach sich die Runde für die Freiheit der Navigation im Südchinesischen Meer aus und gegen dessen Militarisierung. Es ist eine kaum verhüllte Warnung an Peking gewesen.

(erl/ap)
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