| 10.20 Uhr

Washington
Chinesische Jets bedrängen US-Flugzeug

Washington. Der Vorfall verschärft den Territorialkonflikt im Südchinesischen Meer.

Nach einem Zwischenfall mit Militärflugzeugen im Südchinesischen Meer wird der Ton zwischen China und den USA zunehmend rauer. Das Pentagon hatte in Washington von einem "unsicheren Manöver" in der Region berichtet, bei dem sich zwei chinesische Flugzeuge in internationalem Luftraum auf bis zu 15 Meter einer US-Militärmaschine angenähert hätten. Das US-Flugzeug vom Typ EP-3, das auch zur Spionage eingesetzt wird, habe sich demnach angeblich auf einem routinemäßigen Aufklärungsflug befunden.

China wies diese Darstellung des Vorfalls, der sich bereits am Dienstag ereignete, als falsch zurück. Das Außenministerium in Peking bestätigte gestern zwar, dass zwei chinesische Flugzeuge der US-Maschine gefolgt seien und diese beobachtet hätten. Dabei sei aber stets ein "sicherer Abstand" eingehalten worden.

Gleichzeitig forderte Peking Washington dazu auf, seine "Überwachungsaktivitäten sofort zu stoppen, um zu vermeiden, dass solche Dinge wieder passieren". Überwachungsflüge der USA seien zu einer ernsthaften Bedrohung für Chinas Seeterritorium geworden. 2001 war ein chinesischer Abfangjäger mit einem US-Spionageflugzeug des Typs EP-3 kollidiert, wobei der chinesische Pilot ums Leben kam. Die US-Maschine musste auf der Insel Hainan notlanden. Der Vorfall belastete das diplomatische Verhältnis beider Staaten schwer.

Der jüngste Vorfall verschärft die Lage in der Region noch einmal. Im Südchinesischen Meer streitet sich China mit den regionalen Nachbarn Philippinen, Brunei, Malaysia, Vietnam und Taiwan um die rohstoffreichen Gewässer, durch die strategisch wichtige Schifffahrtsstraßen führen. Peking ließ unter anderem künstliche Inseln in der Region aufschütten und Flugplätze anlegen, um über diese Außenposten seine Ansprüche zu untermauern. Washington wirft Peking aggressives Verhalten und Landnahme vor und sieht internationale Seewege bedroht.

Zu den Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer wollen auch die sieben großen Industrienationen (G 7) kommende Woche in Japan eine gemeinsame Erklärung abgeben, was von Peking scharf kritisiert wird. Schon im April hatten die G 7 zu einer friedlichen Lösung aufgerufen. Ohne China namentlich zu erwähnen, lehnten sie "einschüchternde, zwangsweise oder provokative einseitige Maßnahmen" ab, die den Status quo verändern und Spannungen erhöhen könnten.

(dpa)
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