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Interview mit Agrarminister Christian Schmidt
"Wir brauchen in Deutschland keine grüne Gentechnik"

Das ist Christian Schmidt
Das ist Christian Schmidt FOTO: dpa, geb lre wst fdt
Berlin. Der Franke Christian Schmidt ist dem wegen der Edathy-Affäre zurückgetretenen Hans-Peter Friedrich als Agrarminister gefolgt. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht der CSU-Politiker über die neue Aufgabe und auch seinen Vorgänger. Von Gregor Mayntz

Wann haben Sie davon erfahren, dass Sie neuer Agrarminister werden, und was war Ihr erster Gedanke?

Schmidt Ich habe am Wochenende von meiner neuen Aufgabe erfahren und freue mich sehr auf dieses Amt. Der Einsatz für die Landwirtschaft und lebenswerte ländliche Räume ist mir ebenso eine Herzensangelegenheit wie die Ernährung in Deutschland und der Welt.

Wie kommen Sie als langjähriger Verteidigungsexperte mit dem neuen Stallgeruch zurecht?

Schmidt Ich komme aus einer ländlich geprägten Region und habe als CSU-Abgeordneter immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger in meinem Wahlkreis. Da befasst man sich natürlich auch mit der Milchquote, spricht über die Agrarreform und besucht den einen oder anderen landwirtschaftlichen Betrieb. Ich habe also durchaus schon mal einen Kuhstall von innen gesehen und fremdele nicht mit der Landwirtschaft. Vielmehr noch: Als Sohn eines Landhändlers bin ich mit der Branche aufgewachsen.

Was ist für Sie die größte Herausforderung für die Agrarpolitik?

Schmidt Vielen Menschen ist heutzutage nicht mehr bewusst, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. Mein Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher wieder einen Bezug zur Landwirtschaft bekommen. Wer weiß, wo sein Essen herkommt und wie viel Arbeit und Ressourcen darin stecken, bekommt einen anderen Blick. Diese Wertschätzung möchte ich weiter fördern.

Welche Rolle soll die Biomasse in der Energiewende spielen?

Schmidt Wenn die Energiewende gelingen soll, müssen wir sie auf ein solides Fundament mit unterschiedlichen Pfeilern stellen. Biogas ist speicherbar und kann somit auch dann zu einer stabilen Energieversorgung beitragen, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Außerdem können Reststoffe wie Gülle so nachhaltig weiterverwendet werden. Eine Konkurrenz zur Erzeugung von Lebensmitteln darf die Biomasse jedoch nicht sein. Dafür müssen wir sorgen.

Wie gehen Sie mit der Genmais- Zulassung durch die EU um?

Schmidt Im Koalitionsvertrag steht ganz klar: Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an. Mein Vorgänger Hans-Peter Friedrich hat hier klare Worte gefunden, und auch ich sehe nicht, von wem und wofür diese Technologie bei uns gebraucht wird.

Was sagen Sie zu Friedrichs Zukunft?

Schmidt Hans-Peter Friedrich ist ein Vollblutpolitiker. In seiner Funktion als Fraktionsvize wird er das für uns wichtige Thema Europa in gewohnter Weise klar und stark vertreten und weiter vorantreiben.

Gregor Mayntz stellte die Fragen.

Quelle: RP
 
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