kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Fusionsgespräche stocken: Cobra greift Dresdner und Commerzbank an

zuletzt aktualisiert: 20.07.2000 - 17:47

Frankfurt/Main (dpa). Die Beteiligungsgesellschaft Cobra will die mögliche Fusion von Dresdner und Commerzbank weiter verhindern. Trotz roter Karte durch die Berliner Bankenaufsicht wollen die Cobra- Manager auch künftig Einfluss auf die Geschicke der gelben Bank nehmen.

Die Entscheidung des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred), Cobra die Ausübung ihrer Stimmrechte auf Commerzbank-Aktien zu untersagen, soll "mit allen rechtlichen Registern" bekämpft werden. Dies kündigte ihr Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann am Donnerstag in Frankfurt an. "Unsere Angriffslust ist geweckt."

Der geplante Zusammenschluss zwischen Dresdner und Commerzbank ist nach Meinung von Hofmann "schon gescheitert". Indirekt unterstellte er der Dresdner Bank, mit gezielten Verkäufen den Kurs der Commerzbank-Aktie "zu knüppeln". Der frühere Dresdner-Vorstand ist ohnehin überzeugt: "Die Fusion rechnet sich nicht." Ein Zusammenschluss nur zu Lasten der Mitarbeiter und der Aktionäre sei nicht sinnvoll, betonte Hofmann.

Die Gespräche zwischen Dresdner und Commerzbank kommen offenbar nur schwer voran. Zu ernsthaften Verhandlungen ist es noch nicht gekommen, berichtete Dresdner-Chef Bernd Fahrholz der Belegschaft. "Die Gespräche verlaufen erfreulich gut, wir haben aber das Stadium konkreter Verhandlungen noch nicht begonnen", hieß es in einer Mitteilung an "alle Kolleginnen und Kollegen".

Damit wird sich der ursprüngliche Plan, spätestens bis Ende Juli erste konkrete Ergebnisse zu präsentieren, kaum aufrechterhalten lassen. Wie aus beiden Geldhäusern zu hören ist, leidet die Motivation der Beschäftigten inzwischen erheblich. Ständig neue Gerüchte über Personalabbau drückt die Stimmung. Fahrholz appellierte deshalb, weiter durchzuhalten: "Bitte engagieren Sie sich auch in dieser Phase weiterhin für unsere Kunden und damit für unsere Bank. Das liegt in unser aller Interesse und in dem unserer Aktionäre."

Die Cobra-Manager favorisieren nicht zuletzt im eigenen Interesse - sie vertreten rund 24 Investoren mit zusammen 17 Prozent des Commerzbank-Kapitals - eine grenzüberschreitende Lösung. Eine Reihe "ausländischer Top-Adressen" warte bereits auf ein Ende der Verhandlungen mit der Dresdner Bank.

Hinter der Entscheidung des BAKred wittern die Cobra-Manager den mächtigen Einfluss der deutschen Großbanken, um "einen lästigen Aktionär auszusondern". Für das Verbot der Stimmrechtsausübung habe die Bankenaufsicht trotz dreimonatiger Fleißarbeit lediglich die straffrei gebliebene Steuerhinterziehung von Hofmann angeführt. Er musste deshalb 1997 aus dem Dresdner-Vorstand ausscheiden.

Andere Vorstände und Aufsichtsräte hätten bei Steuerdelikten sogar Bußgelder bezahlen müssen, ohne dass die Bankenaufsicht auf den Plan getreten sei. Die Messlatte für Seriosität und Zuverlässigkeit werde bei Cobra offensichtlich höher gelegt als bei den Bank-Vorständen, wurde moniert. Der Chef der Bankenaufsicht, Jochen Sanio, hat diese Vorwürfe bereits mit dem Hinweis gekontert, Cobra könne die Verfügung bekannt machen. "Die Öffentlichkeit könnte sich dann ein Bild von der Begründung unseres Vorgehens machen", sagte er der "Zeit".

Cobra-Beiratsmitglied Klaus-Peter Schneidewind bestritt vehement Gerüchte, das Kapital der Investorengruppe könne sich auch aus Mafia- Geldern speisen. Bei den "zwei Dutzend" Commerzbank-Aktionären handele es sich überwiegend um "vermögende Privatleute" aus Deutschland und Großbritannien. Alle seien der Bankenaufsicht genannt worden, betonte er.

Cobra selbst hält nach eigener Darstellung keine Commerzbank- Anteile. Die 87 Millionen Aktien der rund 24 Anteilseigner seien bei deutschen und schweizerischen Banken geparkt und könnten jederzeit von Cobra abgerufen werden. Ohne Zustimmung von Cobra seien sie auch nicht zu veräußert. Da die Stimmrechte bei den Aktionären lägen, gehe die Verfügung der BAKred ins Leere. Warum dennoch juristisch gegen die Behörde vorgegangen werden soll, begründete Rechtsanwalt Klaus Hubert Görg: "In erster Linie wegen des Imageschadens. Diese Entscheidung ist national und international eine Katastrophe."

Quelle: RPO Archiv

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Schweiz verabschiedet Steuerabkommen mit Berlin

Kampf gegen Steuerhinterziehung

Schweiz verabschiedet Steuerabkommen

Das Schweizer Parlament hat das Steuerabkommen mit Deutschland verabschiedet. mehr 

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Der Iran hat nach Informationen der IAEA in einer verdächtigen militärischen Versuchsanlage Spuren verwischt. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Kampf gegen Steuerhinterziehung

Schweiz verabschiedet Steuerabkommen

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Innenministerkonferenz

Salafisten und Rocker im Visier

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Politik ist langweilig? Vergessen Sie's!

reichstag berlin kuppel DDP 2005-0801

Politik ist Drama, Komödie und gelegentlich großes Kino. Aus Berlin schauen unsere Korrespondenten auf das Geschehen.

Top-Services