Weitere Großfusionen möglich: Commerzbank denkt um
zuletzt aktualisiert: 13.03.2000 - 14:30Frankfurt/Main (dpa). Die Commerzbank sieht sich nach dem Zusammenschluss der Branchenriesen Deutsche und Dresdner Bank gezwungen, die bisherige Strategie der Selbstständigkeit zu überdenken. Das sagte Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Erst in der vergangenen Woche hatte es Spekulationen gegeben, die neuntgrößte Bank der Welt, die Hongkong and Shanghai Banking Corp. (HSBC/London), sei an der Übernahme der Commerzbank interessiert. Das hatte die Commerzbank dementiert.
"Das gibt Veranlassung, die Strategie der Bank zu überprüfen und darüber nachzudenken, ob und wie sich die Commerzbank angesichts ihrer Aktionärsstruktur und angesichts ihrer Kleinheit im internationalen Vergleich neu ausrichten soll", sagte Kohlhaussen zur Fusion der deutschen Konkurrenten.
Am Finanzplatz Frankfurt wird deshalb nun darüber spekuliert, ob die Commerzbank vielleicht doch eine Annäherung zur Münchner HypoVereinsbank als zweitgrößtem Kreditinstitut sucht. Bereits mehrfach wurde in der Branche die Ansicht vertreten, der Strukturwandel werde in Deutschland am Ende nur noch zwei große private Geldhäuser übrig lassen.
Übernahmegefahr jederzeit vorhanden
Die Gefahr einer möglichen Opferrolle durch eine Übernahme sieht die letzte noch freie Großbank nach dem Zusammengehen der beiden Frankfurter Konkurrenten durchaus. "Mit Übernahmeabsichten muss man natürlich rechnen", sagte Kohlhaussen der FAZ. Gerüchte an der Börse, ein Finanzdienstleistungskonzern kaufe heimlich Commerzbank-Aktien, hält der Vorstandssprecher allerdings für wenig wahrscheinlich.
Bislang hatte sich Kohlhaussen strikt gegen Großfusionen ausgesprochen. Er verwies auf die vielen Beispiele für Misserfolge und auch auf Studien, die eine geringe Erfolgsquote prognostizierten. "Bei einem Zusammenschluss muss man sich sehr damit auseinander setzen, was man seinen Mitarbeitern und auch seinen Kunden zumutet, bevor man bloß der Synergien wegen fusioniert." Der Zusammenschluss der Nachbarbanken zeige jedoch, dass die Skaleneffekte, also der Effizienzgewinn durch Größe, wiederum dem Aktionär zugute kämen und der neuen Bank eindeutig Produktivitätsfortschritte und damit einen Wettbewerbsvorsprung bescherten.
In dem FAZ-Interview deutet Kohlhaussen auch die Möglichkeit an, das Investmentbanking gemeinsam mit einer großen internationalen Adresse zu betreiben. Damit könnten Kräfte freigesetzt werden um die Führungsposition etwa im Internet-Banking weiter auszubauen. Eine Verschmelzung mit einem anderen europäischen Institut hält er an anderer Stelle allerdings für wenig wahrscheinlich: "Im europäischen Kontext ist der Nationalismus, wenn es um die Banken geht, sehr viel größer, als ich es mir vor Jahren noch vorgestellt habe." Auch die beiden Frankfurter Wettbewerber seien hier nicht weiter gekommen. "Und keiner der beiden hat in Europa mehr erreicht als wir", betonte Kohlhaussen.
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