Hauptverdächtiger der Anschläge identifiziert: Costa Blanca: Deutschem geht es besser
zuletzt aktualisiert: 23.07.2003 - 15:14Alicante (rpo). Die spanische Polizei hat den mutmaßlichen Haupttäter der Anschläge vom Dienstag in Alicante und Benidorm identifiziert. In den Orten waren zwei Bomben explodiert. Dem Deutschen unter den 13 Verletzten geht es wieder besser.
Nach den Bombenanschlägen mit 13 Verletzten auf zwei spanische Urlauberhotels verfolgt die Polizei eine heiße Spur. Als mutmaßlicher Haupttäter der Attentate vom Dienstag an der Costa Blanca wurde der 23-jährige Sohn eines ETA-Terroristen identifiziert, wie Innenminister Angel Acebes am Mittwoch mitteilte. Nach Jon Joseba Troitiño wird nun international gefahndet. Einem 24-jährigen Deutschen, der durch Glassplitter schwere Schnittwunden an Kopf und Hals erlitten hatte, geht es besser. Der Hamburger Sprachschüler mache gute Fortschritte und habe von der Intensivstation auf ein Krankenzimmer verlegt werden können, teilten die Ärzte in Alicante mit.
Der Zustand eines 32-jährigen Niederländers war den Angaben zufolge dagegen weiterhin ernst, aber stabil. Er musste sich am Dienstagabend einer fünfstündigen Operation unterziehen und liegt seitdem auf der Intensivstation. Er hatte lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitten und war in ein Koma gefallen. Sorge bereitet den Ärzten der Splitter eines Schädelknochens, der sich in das Gehirn des Mannes gebohrt habe. Die übrigen Ausländer konnten das Krankenhaus wieder verlassen.
Der Sohn des ETA-Terroristen soll in beiden Hotels Zimmer angemietet und dort je eine Zehn-Kilo-Bombe deponiert haben, die er den Angaben zufolge in Koffern versteckt hatte. An der Rezeption war der gut gekleidete junge Mann aufgefallen, weil er einen Verband an der Nase trug - vermutlich, um nicht erkannt zu werden. Der Vater und der Onkel des 23-Jährigen waren wegen der zwei bislang blutigsten Anschläge in der Geschichte der baskischen Untergrundorganisation ETA zu 794 und 2232 Jahren Haft verurteilt worden. Sie waren in den 80er Jahren an den Attentaten auf ein Kaufhaus in Barcelona und auf einen Polizeibus in Madrid mit insgesamt 33 Toten beteiligt gewesen.
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin bekräftigte am Mittwoch, dass die Gefahr weiterhin nicht ausgeschlossen werden könne, dass Touristen von ETA-Anschlägen getroffen werden. Bereits seit längerem warne das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen vor den ETA-Drohungen.
Innenminister Acebes schloss aus, dass die ETA ein ständiges Terrorkommando an der spanischen Mittelmeerküste habe. Troitiño und seine Komplizen seien vermutlich aus Frankreich gekommen und anschließend dort wieder untergetaucht. In Alicante demonstrierten am Mittwoch Einwohner und Touristen mit einer Schweigekundgebung vor dem Rathaus gegen den ETA-Terror. Dort und in Benidorm kehrten die Menschen wieder zum Alltag zurück. Strände, Lokale und Geschäfte waren voller Urlauber. Kaum jemand sei wegen der Anschläge abgereist, teilten der Hotelverband und die Stadtverwaltungen mit. Auch habe es keine Stornierungen gegeben.
Der 24-jährige Deutsche sei "frohen Mutes", teilte Chefarzt Rafael Díaz mit. Seine Familie sei inzwischen bei ihm. Die Behörden boten dem deutschen Konsulat die Hilfe der spanischen Regierung an. Der junge Hamburger war wegen seiner schweren Verletzungen notoperiert worden. Bereits am Dienstag hieß es, er sei außer Lebensgefahr. Wenn es keine Komplikationen gebe, könne er in wenigen Tagen entlassen werden. Der Deutsche war zusammen mit sechs ebenfalls verletzten Ausländern in einer Sprachschule in Alicante, als der Anschlag verübt wurde. Sie befindet sich direkt neben dem Hotel "Bahía", wo die erste Bombe explodierte. Im Hotel "Nadal" in Benidorm waren auch deutsche Touristen, von denen aber keiner zu Schaden kam.
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