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Kritik am Vorpreschen Clements: CSU-Generalsekretär: Moratorium bei Stammzellenforschung

zuletzt aktualisiert: 06.06.2001 - 12:41

München/Bonn (rpo). Nach Ansicht von CSU-Generalsekretär Thomas Goppel sollten bis zur Klärung aller Fragen im Zusammenhang mit der Forschung an embryonalen Stammzellen vorschnelle Entschlüsse unterbleiben. Goppel forderte ein parteiübergreifendes Moratorium bei der Stammzellenforschung vorgeschlagen.

Mit Blick auf den Vorschlag des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD), Stammzellen zu Forschungszwecken zu importieren, sagte Goppel am Mittwoch in einem Interview des CSU- Parteiorgans "Bayernkurier": "Es ist mehr als seltsam, wenn der Ministerpräsident eines großen Landes vorprescht und sich Vorteile aus einer Gesetzeslücke verschafft." In Deutschland ist die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken verboten, nicht aber die Forschung an sich.

Ethikkommission der Uni Bonn befürwortet Stammzellen-Projekt

Unterssen hat die Ethikkommission der Universität Bonn der Forschung mit embryonalen Stammzellen im eigenen Haus zugestimmt. "Zur Arbeit mit embryonalen Stammzellen haben wir grundsätzlich Ja gesagt", erklärte der Vorsitzende der Kommission, Prof. Kurt Racké, am Mittwoch. Er bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland" (Mittwoch). Die Entscheidung für das Projekt des Gehirnforschers Oliver Brüstle, der an importierten embryonalen Stammzellen forschen will, sei bereits vor einigen Tagen auf einer Vollversammlung des Gremiums gefallen. Wichtigste Bedingung sei, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Vorhaben fördere.

Die Ethikkommission befasst sich nach eigenen Angaben mit allen Forschungsprojekten der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, in denen es um die Forschung am Menschen, an menschlichem Material oder um menschlische Datenerhebungen geht. Racké sagte, das Votum sei nicht ganz einhellig gewesen. Etwa zwei Drittel der Kommission habe positiv gestimmt, ein Drittel habe sich enthalten oder dagegen votiert.

Brüstle hat als erster Mediziner in Deutschland bei der DFG eine Förderung für die Arbeit mit embryonalen Stammzellen beantragt. Eine Entscheidung der DFG wird für Anfang Juli erwartet. NRW- Ministerpräsident Wolfgang Clement (Foto) steht weiterhin zu dem umstrittenen Genforschungsprojekt an der Bonner Universität. Der SPD-Politiker betonte jedoch am Dienstag in Düsseldorf, er plane keinen Alleingang beim Import embryonaler Stammzellen.

Er wolle die Entscheidungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Nationalen Ethikrates zur Genforschung abwarten, sagte Clement, der zugleich seine Auffassung bekräftigte, dass ein Import von Stammzellen ohne Änderung des gültigen Embryonenschutzgesetzes möglich sei.

Die CDU hatte sich zuvor empört über das Vorpreschen von Clement geäußert und einen Gesetzentwurf zum Stopp des Vorhabens angekündigt. Die Forderung nach einem kurzfristigen Importverbot für embryonale Stammzellen wurde unterstützt von der Grünen-Politikerin Christa Nickels, die im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwochausgabe) von einer "logischen Konsequenz" der Bundestagsdebatte zu Gentechnik sprach. Der rechtspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Volker Beck, sagte dagegen dem Blatt, der Import stehe verfassungsrechtlich unter dem Schutz der Forschungsfreiheit.

Müntefering verteidigte den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten gegen Kritik, ihm gehe es mit seinem Vorstoß nur um wirtschaftliche Interessen. Die Debatte sei in der Gesellschaft nur zu bestehen, wenn "wir deutlich machen, dass das ökonomische Interesse letztlich nicht das Entscheidende sein kann", sagte der SPD-Generalsekretär. Es dürfe nicht das Missverständnis aufkommen, "wir reden vorne mit den Menschen und der Öffentlichkeit über die Probleme und Zusammenhänge und sind längst dabei, Fakten zu schaffen", unterstrich er im Norddeutschen Rundfunk.

Quelle: RPO Archiv

 
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