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Jahreswechsel
Das ändert sich 2016 alles leider nicht

Das ändert sich 2016 alles leider nicht
Schmelzendes Eis am Nordpol. Die Folgen des Klimawandels drohen, die bisherigen Fluchtursachen noch in den Schatten zu stellen. FOTO: ap
Meinung | Berlin. Die Zeit der Jahreswende ist die Zeit der Ausblicke auf neue Gesetze, neue Regeln. Das ergibt zusammen mit vielen persönlichen Neujahrsvorsätzen das Gefühl von Veränderung, von Wende, von Aufbruch. Doch bei den großen Übeln wird sich absehbar gar nicht so viel zum Besseren drehen. Von Gregor Mayntz

Da sind die Feldzüge islamistischer Terroristen gegen den Westen und westlicher Luftwaffen gegen islamistische Milizen. Auch wenn der IS in Syrien militärisch niedergerungen und im Irak aus den besetzten Gebieten vertrieben wird – die Bedrohung durch die selbst ernannten heiligen Krieger im Namen einer bestialischen, menschenverachtenden Koranauslegung wird kaum kleiner werden. Der Westen wird sich darauf einstellen, wappnen und gefasst sein müssen.

Da sind die Ursachen für eine beispiellose Flüchtlingsbewegung. Selbst wenn es nach den hoffnungsvollen Zeichen einer Verständigung in Libyen gelingt, auch in Syrien Millimeter für Millimeter an einen Waffenstillstand heranzukommen – die vielen Brennpunkte verbrecherischer Regime und furchtbarer Konflikte wären damit nur um einen reduziert. Naturkatstrophen, Dürre und andere Folgen des Klimawandels drohen zudem, die bisherigen Fluchtursachen noch in den Schatten zu stellen.

Da ist die Eurokrise, in deren Zusammenhang immer wieder der Blick auf soziale Verwerfungen, galoppierende Arbeitslosigkeit, wachsende Spannungen und Verführbarkeit durch populistische Scheinlösungen frei wird. Diese Krise ist derzeit nicht gelöst, nur vertagt. Sie kann auch außerhalb Griechenlands jederzeit eskalieren, auch größere Volkswirtschaften in die Enge treiben und Europa mindestens so starken Spaltungsgefahren aussetzen, wie sich dies in der Folge von Flüchtlingskrise und Rechtsruck abzuzeichnen beginnt.

Mögen auch noch eine ganze Reihe weiterer prekärer Grundprobleme hinzukommen – das alles ist kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Selbst wenn wir den politischen in den persönlichen Vergleich ziehen und absehen können, wie viele Vorsätze, endlich mit dem Rauchen aufzuhören und mit dem Sport anzufangen, bei vielen schon Mitte Januar wieder Geschichte sein werden: Mancher schafft es doch. Und so kann durch hartnäckigen Einsatz gegen die Ursachen von Terror, Flucht und Instabilität das Jahr 2016 die Welt, Europa und Deutschland doch voranbringen. Jedenfalls sollte wir das Jahr vor dem 31. Dezember nicht verloren geben.

Was sich 2016 ändert, lesen Sie hier.

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