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Manchester
Debakel für Parteispitzen bei zweiter US-Vorwahl

Manchester. Jeb Bush blickt auf ein Meer bunter Wimpel, auf denen nur sein Vorname steht, gefolgt von einem Ausrufezeichen. Voller Trotz schlägt er mit der Handkante auf ein Pult und erklärt, dass Gerüchte über sein politisches Ableben übertrieben seien. In South Carolina, werde er "wirklich gut" abschneiden. Im Moment wirkt er wie ein Bühnenredner, der sich die triste Realität zurechtzubiegen versucht. Im "Granite State" New Hampshire ist auch er unter die Räder gekommen. Bushs vierter Platz steht symbolisch für die Prügel, die die Etablierten an diesem Wahltag beziehen. Von Frank Herrmann

In einem anderen Hotelsaal tritt zeitgleich Donald Trump ans Mikrofon, um seinen Sieg zu feiern. Acht Tage nach der Schlappe in Iowa ist er wieder so sehr obenauf, dass er es sich leisten kann, seinen Rivalen in Gönnerpose Komplimente zu machen. "Da sind einige wirklich sehr talentierte Leute dabei", säuselt Trump, der Bush gewöhnlich als energiearmen Verlierertypen beschimpft, Ted Cruz als feigen Warmduscher und Marco Rubio als grinsenden Sprechroboter. Trump ist in Iowa schlecht aus den Startlöchern gekommen, sein Triumph zeigt, dass es vielleicht nur ein Stolperer war.

Für die Spitzen der beiden großen Parteien ist die Primary in New Hampshire zu einem Debakel geraten. Sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten setzen sich die Rebellen durch, hier der Rechtspopulist Trump, dort der weißhaarige Senator Bernie Sanders, der auf dem Feld der amerikanischen Politik den Linksaußen spielt, in Europa wäre er eher der traditionellen Sozialdemokratie zuzuordnen. Die Partei-Elite wird mit Schrecken registriert haben, wie Sanders die Favoritin Hillary Clinton geradezu deklassierte.

Nach Iowa sah es so aus, als liefe alles auf Rubio zu. Der aber hat nun mit einem fünften Platz die Quittung für einen überraschend schwachen TV-Debattenauftritt bekommen. Chris Christie wiederum, der bullige Gouverneur New Jerseys, ist nach zwei mageren Ergebnissen praktisch aus dem Rennen. John Kasich, der Gouverneur Ohios, hat alles auf die Karte New Hampshire gesetzt und mit einem zweiten Platz den Lohn dafür eingefahren. Amerikaweit aber verfügt er einfach nicht über jenes opulent finanzierte Netzwerk, das einen Jeb Bush vielleicht noch auffangen kann.

Quelle: RP
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