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Mit Verlaub
Denn das Gute liegt so nah

Wenn der Online-Handel vielen Läden den Garaus macht, stirbt mehr als eine Ladenzeile. Die Bürger können selbst ihre Städte lebenswert erhalten.

Rettet unsere Innenstädte!" Der Appell zielt nicht nur auf eine Bürgerschaft, die vor enthemmtem Pöbel jedweder Provenienz verschont bleiben möchte und besser geschützt werden muss. Freiheit und Sicherheit sind zwei Seiten einer Medaille. Man wird den Verdacht nicht los, als seien Stadtspitze und Polizeiführung im liberalen Köln seit Längeren die ersten Pappnasen einer auch sicherheitspolitischen Narrenhochburg.

Der eingangs formulierte Aufruf hat auch mit einer anderen berechtigten Sorge zu tun: dem schleichenden Ladensterben in manchen Gemeinden. Der Städte- und Gemeindebund prognostizierte neulich das Ende von bis zu 50.000 Innenstadt-Geschäften deutschlandweit, nicht nur, aber oft verursacht durch Internet- oder Online-Handel.

Zugegeben, ich habe zwar selbst noch nie etwas online gekauft, was ich auch beim örtlichen Handel erwerben konnte, und ich werde als lebenslanger Freund von ortsgebundenem Handel an dem Prinzip nichts ändern. Aber ich weiß natürlich, dass die einzige Kontinuität im Leben der Wandel ist und dass der, der nicht mit der Zeit geht, mit der Zeit gehen muss. Töricht wäre zudem die Unterstellung, Onlineshopping sei nur etwas für bequeme Stubenhocker, die ihre Bestellungen per Klick vornehmen und einen Tag später dem Paketzusteller entgegen schlurfen. Wer möchte schon ein Einfaltspinsel wie Kaiser Wilhelm "Zwo" sein, der Ende des 19. Jahrhunderts bekannte, er setze weiter aufs Pferd, das Automobil sei eine vorübergehende Erscheinung.

Bei der Alternative örtlicher Einkauf oder Onlineshopping (für die meisten ist es kein Gegensatz) geht es aber um mehr, nämlich um Nachhaltigkeit und kluges Handeln, das bekanntlich das Ende eigenen Tuns stets bedenken soll. Dazu hat der Bundesvorsitzende des katholischen Sozialverbands KKV, Bernd Wehner, vor kurzem Bedenkenswertes geschrieben. Unter der Überschrift "Mensch, kauf' doch mal wieder nebenan" hebt Wehner hervor, dass örtlicher Handel und örtliches Gewerbe Bausteine für lebendige und liebenswerte Städte und auch tragende Säulen der Bürgerschaft seien. Recht hat der Mann! Um die Ecke gibt es nicht nur Qualität, Service und Arbeitsplätze, sondern auch die Chance auf menschliche Kontakte, die kein Klick auf die Computertaste ersetzt. Wenn Ausländer Deutschland kennenlernen, bewundern sie oft die Vielzahl unserer intakten, schmucken Provinzen mit großen, mittleren und kleinen Städten voller Leben und Läden. Wir Bürger können einiges dafür tun, dass das so bleibt.

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Quelle: RP
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