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Stockholm
Der Mord an Olof Palme bleibt ein Rätsel

Stockholm. 30 Jahre nach der Tat wird weiter über die Hintergründe gestritten. Neues Buch heizt die Debatte an. Von André Anwar

Am Sonntag jährt sich der Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme zum 30. Mal. Gestern präsentierte die Polizei in Stockholm den Stand der Ermittlungen. Demnach gibt es weiterhin keine Hoffnung auf eine Lösung des spektakulären Falles.

Am 28. Februar 1986, einem Freitagabend, fuhr der 42-jährige Leif Ljungqvist mit seinem schwarzen Chevrolet Suburban über den Sveavägen in Stockholms Stadtzentrum, um seine Kinder vom Skiurlaub am Bahnhof abzuholen. "Ich wartete an der Kreuzung auf Grün. Da krachte es. Ich schaute in die Seitenstraße, wo ein Mann sich am Boden krümmte. Ich rief sofort die Polizei über mein Autotelefon", erinnert sich der heute 72-jährige Lieferant für Bodenbeläge.

"Ich sah den Täter wegrennen. Er hatte einen ganz schiefen Gang und trug eine blaue Steppjacke", sagt Ljungqvist. "Ich lief zu einer Frau, die verletzt neben dem Mann kniete. Der lag in seinem Blut auf dem Boden. Ein furchtbarer Anblick. Sie bat mich, einen Krankenwagen zu rufen. Kurz darauf kam ein Polizist. Er fragte, wie ihr Ehemann heißt. Die Frau antwortete schlicht: Olof Palme. Da verstanden wir erst, was geschehen war. Den Abend werde ich niemals vergessen können", erzählt Ljungqvist.

Später wurde der drogenabhängige Kriminelle Christer Pettersson als Täter festgenommen. Pettersson wurde 1989 für den Mord verurteilt, doch in zweiter Instanz freigesprochen. Die Polizei hatte bei der Gegenüberstellung Fehler begangen. Palmes damaliger Staatssekretär, der spätere Spitzenmanager Ulf Dahlsten, erklärte in dieser Woche jedoch, er halte den Mord an Palme für eindeutig aufgeklärt. Pettersson sei schließlich von der Witwe Lisbeth Palme und auch vom Zeugen Ljungqvist identifiziert wurden.

Zudem habe eine sehr glaubwürdige Person ihm erzählt, dass Pettersson Palme im Auftrag des kriminellen Palme-Hassers Lars Tingström ermordete. Doch Experten wie der renommierte Kriminologe Leif Persson glauben nicht an dieses Motiv. Es sei seltsam, dass nicht einmal die Mordwaffe gefunden wurde, betont Persson. Palme habe sehr mächtige Feinde gehabt. Rechtsradikale, von denen damals viele bei Polizei und Militär waren, wie auch die Wirtschaftselite hassten den Sozialdemokraten Palme für seine linke Politik, betont Persson. So wollte Palme etwa Unternehmer über Arbeitnehmerfonds teilenteignen.

In einem neuen Buch nennt Persson Indizien, die eine Beteiligung von Polizei und Militär sowie weiterer Regierungsstellen an dem Mord nahelegen. In diesen Kreisen soll man über die Wiederwahl des vermeintlich sowjetfreundlichen Palme 1985 sehr beunruhigt gewesen sein. Die Ermittler der schwedischen Polizei werfen dem Kriminologen dagegen Unfähigkeit vor. Der Palme-Mord bleibt ungeklärt.

Quelle: RP
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