kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Wahlkampf all´italiana: Der Schöne gegen den Reichen

zuletzt aktualisiert: 03.05.2001 - 15:44

Rom (rpo). "Der Schöne gegen den Reichen" - auf diese Formel bringen italienische Kommentatoren das Duell: der attraktive Mittvierziger Francesco Rutelli gegen den Mailänder Medienmilliardär Silvio Berlusconi. Lange ging es hauptsächlich um das Erscheinungsbild. "Er hat mehr Haare als ich, er ist schöner als ich - doch ich werde gewinnen", verkündete Berlusconi. "Er hat mehr Haare als in Wirklichkeit, und sie scheinen mir auch dunkler", sinnierte Rutelli vor den Wahlplakaten seines Gegners. Inzwischen heizen internationale Negativ-Schlagzeilen über Berlusconi das Klima in Rom an.

Manche nennen ihn eine "Wunderwaffe": Der italienische Spitzenkandidat Francesco Rutelli rast von einem Wahltermin zum nächsten, doch gestresst wirkt der 46-Jährige nie. "Cicciobello" (Wonneproppen) tauften die Medien den lächelnden Römer. Einige entdecken gar Ähnlichkeiten mit illustren Ahnen wie Julius Cäsar und Augustus. Rutelli ist der Hoffnungsträger der Linken bei den Parlamentswahlen am 13. Mai.

Zwar lag er zuletzt in Meinungsumfragen hinter seinem Herausforderer Silvio Berlusconi (64), doch das spornt ihn nur noch mehr an. "Ich überhole in der letzten Kurve", verspricht der flotte Ex-Bürgermeister Roms. Der Vergleich mit dem siegreichen Ferrari- Piloten Michael Schumacher kommt nicht von ungefähr. Auch AC- Mailand-Präsident Berlusconi feuert die Nation mit Fußball-Parolen an.

Für die Linke geht es um alles oder nichts. Sie hatte 1996 erstmals in der Nachkriegsgeschichte die Parlamentswahlen gewonnen. Doch das breit gefächerte "Olivenbaum"-Bündnis präsentiert sich heute zerstrittener denn je. Stichwort Radio Vatikan: Ein Minister setzt dem Sender ein Ultimatum wegen überhöhter Elektrosmog-Werte; ein anderer Ressortchef rudert zurück, die Gefahren seien wissenschaftlich nicht belegt. "Von BSE bis Elektrosmog, nichts als Streit", wettert der scheidende Regierungschef Giuliano Amato.

Die Parolen von Mitte-Rechts und Mitte-Links ähneln sich. "Keine Steuern für Familien mit einem Jahreseinkommen unter 45 000 Mark", verspricht Rutelli. "Weniger Steuern für alle", kontert Berlusconi. Beide wollen mehr Arbeit und mehr Sicherheit für die Bürger. Berlusconi schickte den italienischen Haushalten seine Biografie frei Haus; Rutelli tourte im Zug einen Monat lang rund um den "Stiefel". Umfragen zufolge war zuletzt noch ein Viertel der rund 49 Millionen Wahlberechtigten unentschlossen.

"Die Frauen mögen ihn", frohlocken Rutellis Strategen. Der smarte Römer wird als sehr ehrgeizig und unerschütterlich optimistisch beschrieben. Für die politische Wetterlage hat er ein feines Gespür.

In seiner Jugend tat er sich als Antiklerikaler und Kriegsdienstverweigerer hervor. Er kämpfte für das Recht auf Abtreibung und Ehescheidung, war bei Anti-Atom-Blockaden dabei, wurde sogar einige Tage inhaftiert. Als er 1993 zum Bürgermeister Roms gewählt wurde, entbot er, zur Irritation seiner Anhänger, dem Papst seinen "ehrerbietigen Gruß". "Clintonino", der kleine Clinton, wurde er damals genannt - und als Lichtgestalt gefeiert.

Tatsächlich war Rutelli weltweit der erste Grüne an der Spitze einer Metropole. Inzwischen gehört er der einflussreichen Regierungspartei "Die Demokraten" an. Er brachte erfolgreich das Heilige Jahr in Rom über die Runden und Ministerpräsident Amato dazu, auf die Spitzenkandidatur zu verzichten.

Auf der Zielgeraden machen nun Intellektuelle wie der italienische Philosoph Noberto Bobbio und Oscar-Preisträger Roberto Benigni für Rutelli mobil.

Quelle: RPO Archiv

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Der Iran hat nach Informationen der IAEA in einer verdächtigen militärischen Versuchsanlage Spuren verwischt. mehr 

Salafisten, Rocker und Fußball-Chaoten im Visier

Innenministerkonferenz

Salafisten, Rocker und Fußball-Chaoten im Visier

Die Innenminister und -senatoren sind in Göhren-Lebbin zu ihrer Frühjahrskonferenz zusammengekommen. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Ägyptens Ex-Präsident

Mubarak spottet über Politiker

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Politik ist langweilig? Vergessen Sie's!

reichstag berlin kuppel DDP 2005-0801

Politik ist Drama, Komödie und gelegentlich großes Kino. Aus Berlin schauen unsere Korrespondenten auf das Geschehen.

Top-Services