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Berlin/Ankara
Deutsch-türkische Entfremdung

Berlin/Ankara. Schon vor dem Putschversuch war das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara miserabel. Nach dem Konflikt um die Völkermord-Resolution des Bundestags zu den Massakern an den Armeniern droht nun neuer Streit. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte gestern von Deutschland die Auslieferung von türkischen Gülen-Anhängern. Die Forderung dürfte die Bundesregierung in eine Zwickmühle bringen - nicht zuletzt deshalb, weil in der Türkei seit dem gescheiterten Putsch die Wiedereinführung der Todesstrafe diskutiert wird. Präsident Erdogan hatte diesen Vorschlag dem Parlament unterbreitet.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist zudem von der türkischen Regierung zur Prüfung von Einrichtungen der Gülen-Bewegung aufgefordert worden. In der "FAZ" berichtete er von einem entsprechenden Schreiben des türkischen Generalkonsuls in Stuttgart.

Die türkische Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Von den USA fordert sie die Auslieferung Gülens.

Außerdem wurde gestern bekannt, dass der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, seit dem Bundestagsbeschluss zur Armenien-Resolution am 2. Juni keine Termine im türkischen Außenministerium oder in anderen Regierungsstellen mehr erhält. Anfragen des Botschafters würden nicht beantwortet, berichtete die Deutsche Presse-Agentur.

(dpa)
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