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Berlin
Deutsche Wirtschaft fürchtet Brexit

Berlin. Der Handel warnt vor negativen Folgen und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Von Jan Drebes

Zwei Tage vor der Entscheidung der Briten über den Verbleib in der EU hat der deutsche Bundesverband für Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) vor einem Austritt gewarnt. "Ein Brexit führt zu Unsicherheit und Vertrauensverlust über Jahre", sagte Verbandschef Anton Börner. Das hätte "erhebliche Auswirkungen" auf die Euro-Schuldenkrise, die Arbeitslosigkeit und die wirtschaftlichen Aussichten insgesamt.

Am Donnerstag stimmen die Wähler in England per Referendum ab. Nach der Ermordung der Labour-Abgeordneten Jo Cox war der Wahlkampf unterbrochen worden. Gestern beschuldigte Premierminister David Cameron das Brexit-Lager aber bereits wieder, mit falschen Behauptungen und Zahlen zu arbeiten. Der Austritts-Wortführer Boris Johnson wiederum hielt dem Pro-EU-Lager politische Ideenlosigkeit vor. Zuletzt hatten Umfragen eine knappe Mehrheit bei den Brexit-Gegnern gesehen. Laut Bertelsmann-Stiftung sind auch 54 Prozent der EU-Bürger dagegen. Der Wettanbieter Betfair taxierte zudem die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs auf 72 Prozent. Die Finanzmärkte reagierten positiv; der Dax verzeichnete gestern kräftige Gewinne.

Sollte es aber zu einem Brexit kommen, würden langwierige Austrittsverhandlungen in Brüssel beginnen. BGA-Chef Börner prognostizierte für diesen Fall negative Folgen auch für die deutsche Wirtschaft. "Während dieser Hängepartie wird große Unsicherheit herrschen, solange sich die künftigen Wirtschaftsbeziehungen in der Schwebe befinden", sagte er.

Unterdessen haben auch zahlreiche EU-Außenminister für einen Verbleib Englands in der Union geworben. Falls die Briten für einen Austritt stimmen sollten, verlöre die EU mehr als nur ein Mitglied, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) warnte die Briten davor, mit einem Brexit den Zugang zum EU-Binnenmarkt zu kappen. Das wäre ein "schwerer Schlag" gegen die Interessen der britischen Wirtschaft und der Menschen in Großbritannien, so Schulz.

Quelle: RP
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