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Zahl deutlich gesunken
280.000 Menschen suchten 2016 Asyl in Deutschland

280.000 Menschen suchten 2016 Asyl in Deutschland
Zahlreiche Flüchtlinge warten im Oktober in Wegscheid (Bayern) vor einer Notunterkunft. FOTO: dpa, awe jai cul bsc
Berlin. Im vergangenen Jahr haben 280.000 Menschen in Deutschland Schutz gesucht. Das sind deutlich weniger als im Jahr 2015, als 890.000 Flüchtlinge registriert wurden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach von einer deutlichen Reduzierung der Zahl. "Das zeigt, dass die Maßnahmen, die die Bundesregierung und die Europäische Union ergriffen haben, funktionieren." Der Minister führt den deutlichen Rückgang auf das EU-Türkei-Abkommen zurück und darauf, dass die Balkanroute geschlossen wurde. "Es ist gelungen, das Migrationsgeschehen zu ordnen, zu steuern", so de Maizière.

Gleichzeitig seien etwa 25.000 Menschen im vergangenen Jahr in ihre Herkunftsländer abgeschoben worden. 55.000 seien freiwillig zurückgekehrt.

2016 gab es mehr Asylanträge

Die Zahl der Asylanträge sei dagegen gestiegen, sagte der Minister. Nach Angaben des Ministeriums wurden im Jahr 2016 insgesamt 745.545 Asylanträge gestellt. Das sind 268.869 mehr als im Vorjahr. Ein großer Teil der Antragsteller war bereits 2015 eingereist. Viele von ihnen konnten aber wegen der Überlastung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nicht sofort einen Antrag stellen. "Der Berg unerledigter Anträge wird abgetragen", sagte de Maizière nun.

Hintergrund: So läuft das Asylverfahren ab FOTO: dpa, ua fpt

Der scheidende Bamf-Leiter Frank-Jürgen Weise wies den Vorwurf zurück, das Bamf sei bei seiner Abarbeitung der Anträge gescheitert. Das Ziel von einer Million Entscheidungen sei nicht erreicht worden, aber die hohe Zahl sei für die Bamf-Mitarbeiter eine sehr gute Bilanz. "Wir haben die Wartezeiten wesentlich verkürzt", betonte Weise.

Ab Donnerstag wird Jutta Cordt die Nachfolge von Frank-Jürgen Weise antreten. Seit Oktober ist die 53-Jährige bereits stellvertretende Leiterin des Bundesamts. Die Juristin hat bislang für unterschiedliche Arbeitsämter gearbeitet, zuletzt für das Bundesarbeitsministerium.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat trotz gesunkener Flüchtlingszahlen dazu aufgerufen, bei der Integrationsanstrengung nicht nachzulassen. "Es ist in unserem ureigenen Interesse, dass wir jeden Flüchtling, der in Deutschland bleiben darf, bei uns integrieren", sagte sie unserer Redaktion.  "Dieser Herausforderung müssen wir uns in Zeiten hoher wie niedriger Zuzugszahlen stellen." Die Bereitschaft der Bevölkerung, dabei mitzuwirken, werde davon abhängen, wie schnell es gelinge, deutlich zu machen, wer in Deutschland bleiben dürfe und wer nicht. "Ich vertraue hier ganz auf die Integrationskraft Deutschlands, sie ist stärker als viele meinen."

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien

Die größte Gruppe unter den Schutzsuchenden stellen derzeit die Syrer. Zu den Herkunftsländern mit den höchsten Migrationszahlen gehörten 2016 auch Afghanistan, der Irak, Albanien und Eritrea.

2015 war die Regierung zunächst von 1,1 Schutzsuchenden für 2015 ausgegangen. Doch unter anderem wegen Mehrfachmeldungen korrigierte das Bamf die Zahl dann nach unten.

(dpa/KNA/felt/heif)
 
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