Schröders Autobiografie: 544 Seiten "bescheidene Selbstbetrachtung"
zuletzt aktualisiert: 26.10.2006 - 14:44Berlin (RPO). Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat in Berlin seine Autobiografie vorgestellt. Bei einer Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus betonte Schröder vor über 300 Journalisten, dass er "gerne" auch noch Bundeskanzler der großen Koalition gewesen wäre.
"Ich hätte das gemacht", sagte der 62-Jährige, allerdings "nicht für allzu lange Zeit". Schröder fügte hinzu: "Ich wünsche mir für die Menschen in Deutschland, dass die große Koalition Erfolg hat."
Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker würdigte Schröders 544 Seiten starke Werk mit dem Titel "Entscheidungen. Mein Leben in der Politik" als "bescheidene Selbstbetrachtung". Der ehemalige Kanzler habe darin auch politische Fehleinschätzungen freimütig eingeräumt. Schröder sei "leichtfüßig" ins Amt gesprungen und habe es "viel ernster" wieder verlassen. "Du warst ein großer Kanzler", sagte Juncker.
Das Buch erschien mit einer Startauflage von 160.000 Exemplaren. Vorabdrucke im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und in der "Bild"-Zeitung hatten für erheblichen Wirbel gesorgt. Schröder will zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember über 20 Buchpräsentationen und Signierstunden absolvieren. Außerdem sind Talkshow-Besuche des Alt-Kanzlers bei "Beckmann" und bei "Sabine Christiansen" geplant.
Kritik an der umfangreichen Medienkampagne zur Veröffentlichung seiner Memoiren wies Schröder zurück. Mit den Interviews zu dem Buch wolle er die Arbeit der Medien unterstützen, sagte er in der Berliner SPD-Zentrale. Das sei als Entgegenkommen zu verstehen. "Dass ich deswegen auch noch kritisiert werde, das verstehe ich nun gar nicht." Auch den vorzeitigen Abdruck seiner Memoiren in der "Bild"-Zeitung verteidigte Schröder. "Man darf nicht ein Leben lang nachtragen", sagte er zu der Tatsache, dass er die Berichterstattung der "Bild" als Kanzler scharf kritisiert hatte.
Zur Arbeit seiner Nachfolgerin Angela Merkel wollte sich Schröder nicht äußern. In Interviews hatte er Merkel zuvor Führungsschwäche vorgeworfen und war dafür von führenden Unionspolitikern scharf kritisiert worden.
Die Autobiografie von Altkanzler Gerhard Schröder werde bald auch ins Chinesische, Russische und Türkische übersetzt. Sie werde "sehr rasch" in insgesamt acht Sprachen erscheinen, sagte der Geschäftsführer des Verlags Hoffmann und Campe, Günter Berg, am Donnerstag bei der Vorstellung der Memoiren in Berlin. "Wir haben Lizenzanfragen aus ganz Europa, aber jetzt auch aus Amerika."
Feste Verträge gibt es nach Verlagsangaben bereits für die Übersetzung in fünf Sprachen: Neben chinesischen, russischen und türkischen sind auch französische und ungarische Ausgaben fest vereinbart. Es gebe eine "überwältigende Resonanz" auf das Buch. Es erscheint in einer Startauflage von 160.000 Exemplaren.
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