G-8-Konzert für Afrika: 80.000 folgen Grönemeyer
zuletzt aktualisiert: 07.06.2007 - 22:46Rostock (RPO). 80.000 sind dem Aufruf von Herbert Grönemeyer gefolgt. Beim Rockfestival am Rande des G-8-Gipfels feierten die Fans unter dem Motto "Deine Stimme gegen Armut" ihre Stars, den Eintrittspreis von 2,50 Euro und den Einsatz für die gute Sache.
"Es ist super, dass ihr alle hier seid", ruft Herbert Grönemeyer. Damit bekomme die Forderung an die in Heiligendamm tagenden Staats- und Regierungschefs nach mehr Hilfe für Afrika noch mehr Druck. Mehr als 80.000 Menschen auf dem weitläufigen Gelände der Internationalen Gartenausstellung in Rostock jubeln. Bei strahlendem Sonnenschein startet das auf sechs Stunden angelegte Konzert für Afrika mit dem Titel "Deine Stimme gegen Armut" am frühen Donnerstagnachmittag mit der Band "Seeed".
Was folgt, ist eine friedliche Demonstration in angenehmer, entspannter Atmosphäre, die krass im Gegensatz zu den gewalttätigen Protesten in nur gut 20 Kilometer Entfernung am Gipfelzaun steht, wo zeitgleich Steine auf Polizisten fliegen und gegen Demonstranten Wasserwerfer eingesetzt werden. Hier ist es ein wenig wie auf einem Rockfestival. Fast 20 Sänger und Bands treten auf, darunter Stars wie Die Toten Hosen, Die Fantastischen Vier, Silbermond, 2Raumwohnung oder die Beatsteaks.
Auch U2-Sänger Bono und Konzert-Mitorganisator Herbert Grönemeyer sind angekündigt. Aber die Besucher sind nicht nur von den Prominenten begeistert. Die gute Stimmung hält auch an, als Künstler aus Mosambik, Uganda, Sambia, Mali, Bangladesch und dem Senegal auftreten - und mit eher ungewöhnlichen Klängen überraschen.
Strikt organisiert
Jede Band darf nur zwei Lieder spielen, damit der strikte Zeitplan des politisch-musikalischen Großereignisses eingehalten werden kann. Zwischen den Künstlern werden auf großen Leinwänden kurze Filme eingespielt, die das Elend der Menschen in Bolivien oder Kambodscha zeigen. Dann sprechen unter anderem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, Nora Tschirner und Live-8-Initiator Bob Geldof. Auch wenn es ernst wird, die Menschen bleiben da, hören trotz Hitze und Enge aufmerksam zu, souverän moderieren Roger Willemsen und Sarah Kuttner.
"Bei geiler Musik für eine gute Sache demonstrieren, das macht Spaß", sagte Torben Litt. Er finde auch, dass Afrika mehr geholfen werden müsse. Allerdings müsse dafür gewaltfrei protestiert werden. Das sieht Sabine Gerber ähnlich. "Ich symphathiesiere mit den Zielen der Demonstranten", sagt die Rostockerin. Aber von Gewalt halte sie nun einmal gar nichts. Deswegen sei sie nicht zur Demonstration gegangen, sondern zu diesem Konzert. Und der Eintritt von 2,50 Euro sei natürlich unschlagbar. Allerdings habe sie erst kurzfristig entschieden, hierher zu gehen. "Man hat gehört, dass es einen islamistischen Anschlag geben soll oder die Autonomen das Konzert sprengen."
Rabiate Sicherheitsleute
Für die Sicherheit sorgen 400 ganz in schwarz gekleidete, breitschultrige private Sicherheitsmänner. Noch vor dem Konzertgelände schubsen sie rüde eine Gruppe von G-8-Gegnern zur Seite und zerreißen dabei das Plakat, auf dem "Unsere Stimme gegen Kapitalismus" zu lesen ist. Die Polizei habe den Platz genehmigt, beschwert sich Sophie. "Wir behalten uns rechtliche Schritte vor."
Herbert Grönemeyer und Co. nutzen die Gelegenheit, den G-8-Staats- und Regierungschefs ihre Forderungen druckvoll vor einem großen Plenum zu vermitteln. Die G-8-Staaten dürften ihre Versprechen vom Gipfel in Gleneagles vor zwei Jahren nicht brechen, nach denen Afrika Schuldenerlass und höhere Entwicklungshilfe versprochen worden sei, sagt Grönemeyer. Es müsse ein Bewusstsein geschaffen werden, "dass wir von unserem Standard runtermüssen. Wir werden nicht umhin kommen, zu teilen. Das gibt einen Sinn für das nächste Jahrhundert", sagt Grönemeyer.
Live-8-Initiator Bob Geldof sagte, dass in jedem Moment Jungen und Mädchen in Afrika versuchten, in Europa ein besseres Leben zu finden. Häufig würden sie an die Küsten geschwemmt. "Ich möchte keine toten Afrikaner mehr an den Stränden sehen", sagte Geldof, der wie Bono seit fast zwei Jahrzehnten gegen Armut und Aids in Afrika kämpft. Er setze seine Hoffnung auf Kanzlerin Angela Merkel. "Es ist ein langer, langer Weg, bis die Armen auf der Welt Gerechtigkeit erfahren."
Bono zeigte sich jedoch über Merkel verärgert. Beim Gespräch mit ihr am Mittwoch habe er erst gedacht, das Handtuch werfen zu müssen. Geldof bestätigte dies später. Merkel habe Afrika lediglich Hilfe in Höhe von 700 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Benötigt würden aber 1,5 Milliarden Euro.
Schließlich wurde Bono doch noch versöhnlich: Merkel sei eine "niedlich aussehende" sehr geschickte Frau, wenn es darum gehe, die Iren zu beruhigen, sagte Bono lachend. "Ich würde sogar den Teufel selbst umarmen, wenn ich dadurch in der Lage wäre, unsere Sache voranzubringen", sagte er dann - allerdings in Bezug auf den britischen Premier Tony Blair, den er ebenfalls bereits mehrfach getroffen hat.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum