Düsseldorf (RP). Neue Hiobsbotschaft für das deutsche Schulsystem: Erstmals wurden im Mai in Nordrhein-Westfalen 190.000 Schüler der achten Klassen in Deutsch, Englisch und Mathematik getestet. Ein Drittel der Schüler hat erhebliche Probleme.
Viele Schüler haben beim Lesen große Defizite. Foto: ddp
Bei den Lernstandserhebungen wurden in Deutsch und Englisch das Leseverstehen und in Mathematik das „mathematische Argumentieren und Kommunizieren“, also die Fähigkeit, mathematische Sachverhalte zutreffend und verständlich mitzuteilen, getestet. Die Aufgaben wurden den Schulformen angepasst. Ergebnis: Bis zu 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen nicht die Standards der Kernlehrpläne und müssten besonders gefördert werden. Verheerend sind die Mathematik-Ergebnisse - auch für die Gymnasien.
NRW-weit haben 27 Prozent aller Achtklässler Verstehensprobleme beim Lesen - sie erreichen nur zwei von fünf Kompetenzniveaus, nämlich „Leseverstehen in Ansätzen“ und „einfaches Leseverstehen“. An Hauptschulen bewegen sich im Schnitt 52 Prozent der Schüler auf diesen beiden Stufen; in Grundkursen an Gesamtschulen 49 Prozent.
Verheerend darf die Bilanz für die Mathematik genannt werden. 29 Prozent aller NRW-Schüler hinken hinter den Durchschnittsanforderungen hinterher. An Gymnasien erreichen 35 Prozent der Schüler von vier Kompetenzstufen nur die Stufen eins und zwei. Bei den Grundkursen an Haupt- und Gesamtschulen bleiben 71 bzw. 66 Prozent der Achtklässler auf dem niedrigsten Niveau mathematischer Fähigkeiten stehen.
Die Landesregierung will Brennpunktschulen künftig mit mehr Lehrerstellen fördern und lässt dazu für alle Schulen einen Sozialindex erstellen. Die Schulen sind in diesen Tagen aufgefordert worden, für das Statistische Landesamt die „Zuwanderungsgeschichte“ ihrer Schüler zu ermitteln. Es geht um Fragen, wann ein Kind eingewandert ist (vor, während oder nach der Grundschulzeit), ob die Eltern oder ein Elternteil nicht in Deutschland geboren wurden und ob zu Hause vorwiegend Deutsch gesprochen wird.
Die NRW-SPD will am Wochenende auf einem Bildungsparteitag in Bochum über ihr Modell der „Gemeinschaftsschule“ entscheiden. SPD-Landeschefin Hannelore Kraft stellte gestern klar, dass das Schulmodell ihrer Partei nur eine Übergangslösung darstellt. Demnach würden die Kinder in den Klassen fünf und sechs gemeinsam unterrichtet. Das Ziel der SPD sei aber die Gesamtschule als „vollständig integriertes System“.