Berlin/München (RP). Wer immer wieder durch Prügeln, Rauben, Stehlen und andere Straftaten auffällt, kommt bei der Polizei in die Intensivtäter-Datei. Die meisten von ihnen sind „Nichtdeutsche“.
Die beiden jungen Täter von München beschimpften ihr späteres Opfer als „deutsches Arschloch“. Tatsächlich scheint eine völlig verfehlte Integration von ausländischen Jugendlichen eine entscheidende Rolle zu spielen, wenn aus Tätern Intensivtäter werden. Unter den jugendlichen Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten in Berlin sind 80 Prozent nichtdeutscher Herkunft.
Im Problembezirk Neukölln befinden sich in der Liste der 130 Intensivtäter gerade einmal drei Deutsche. Was läuft in der Integration schief?
Der Berliner Kriminologe Claudius Ohder hat die Akten von 264 Intensivtätern ausgewertet. In seinen Untersuchungen fand er 70 Prozent junge Leute, die in Migrantenfamilien aufwuchsen. Jeder vierte Serientäter wuchs ohne Vater auf, nur ein Drittel der Väter verfügte über ein die Existenz der Familie sicherndes Einkommen.
"Randständige Existenz"
„Auffällig“ für Ohder: Viele der Intensivtäter erlebten in ihrer Kindheit Flucht und Asyl, gehörten in ihren Herkunftsländern zu Bevölkerungsgruppen die benachteiligt wurden. Die Familie habe nach der Ankunft in Deutschland zunächst einmal damit zu kämpfen gehabt, überhaupt „anzukommen“. Sie hätten über viele Jahre hinweg in einer „randständigen Existenz“ gelebt. Die Familie sei nicht in der Lage gewesen, ihre Kinder an die Gesellschaft heranzuführen.
Nach den Erkenntnissen der Berliner Studie beginnen die Probleme von späteren Intensivtätern in der Regel bereits in der Grundschule. 90 Prozent landeten auf Haupt- oder Sonderschulen, nur jeder Fünfte schafft überhaupt einen Schulabschluss. Bei mehr als der Hälfte registrierten die Schulen „regelmäßiges“ und „anhaltendes“ Fernbleiben vom Unterricht.
Der Kriminologie-Professor konnte nachvollziehen, wie sich Jugendliche nach dem Scheitern in Schule, Ausbildung und Beruf den Cliquen und den Gruppen auf der Straße zuwenden. Ohder: „Dort herrschen andere Normen, andere Ziele, andere Möglichkeiten und Mittel, um Ansehen zu erwerben.“ Vor diesem Hintergrund komme es dann regelmäßig zu einer Ausuferung von Gewalt. Aus der Rangelei, aus dem jugendtypischen Konflikt werde dann der Raub, der im übrigen auch „gewinnorientiert“ ausfallen könne.
Nach der Einschätzung von Claudius Ohders sind die Intensivtäter einer sehr engen Strafverfolgung ausgesetzt. Zum Zeitpunkt der Analyse saß gut die Hälfte der jungen Täter im Gefängnis. U- und Strafhaft dürften jedoch nicht das Ende dessen sein, über das die Politik nachdenken müsse, sagt der Experte. „Aus unserer Sicht müssten die präventiven Maßnahmen in der Grundschule beginnen.“ Die Probleme zeichneten sich nämlich bereits in der dritten und vierten Klasse ab.