Berlin (rpo). Bundeskanzlerin Angela Merkel hält an der Einführung eines Elterngeldes fest, ohne konkrete Vorgaben für die Umsetzung zu machen. Die Kanzlerin sei eine energische Verfechterin des Projekts, sagte Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Er betonte: "Das Elterngeld wird kommen."
Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich für das Elterngeld einsetzen. Foto: ddp
Das Elterngeld soll denjenigen gezahlt werden, die wegen der Betreuung eines Kindes im Beruf pausieren. Es soll 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens betragen, höchstens aber 1.800 Euro monatlich. Die Koalition plant eine Bezugsdauer von zwölf Monaten. Davon müssen nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zwei Monate vom Vater als Erziehungszeit genommen werden.
Das Familienministerium wies Berichte zurück, wonach sich Merkel und von der Leyen bereits jetzt auf Kompromisslinien festlegen wollen. Als Kompromiss war eine zwölfmonatige Elterngeldzeit für alle plus einer "Bonuszeit von zwei Monaten" für diejenigen im Gespräch, bei denen der Mann zur Elternzeit bereit ist.
Der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU), meinte: "Keine gute Lösung wäre es, wenn denen, die die Partner-Monate nicht akzeptieren, das Elterngeld auf eine besonders heimtückische Weise um zwei Monate verkürzt würde."
Die bayerische CSU-Familienministerin Christa Stewens kann sich dagegen vorstellen, die "Väter-Komponente als Bonus" einzuführen. "Wir bauen die Hürde für die Väter ab, eine berufliche Pause einzulegen, und geben zugleich ein Signal an die Arbeitgeber. In Zukunft muss es ganz alltäglich sein, dass sich nicht nur Frauen, sondern auch Männer eine berufliche Auszeit für die Kindererziehung nehmen."
Das Vorstandsmitglied der Frauenunion Julia Klöckner (CDU) warf den "Traditionalisten" vor, die Diskussion über das Elterngeld unehrlich und mit vielen Vorurteilen behaftet zu führen. Berufstätige Frauen brauchten Unterstützung, wenn sie sich für ein Kind entschieden. "Das zweimonatige Vätergeld ist ein sanfter Schubs, dass sich etwas in den Köpfen und bisherigen Denkweisen ändern kann."
Laut Regierungssprecher Steg wird sich wahrscheinlich auch der Koalitionsausschuss am 1. Mai mit dem Thema Elterngeld befassen. Merkel jedenfalls wolle sich Zeit für viele Gespräche nehmen. Die Kanzlerin verzichte auf vorherige Festlegungen, um möglichst viele Zweifler mitnehmen und zu Verfechtern des Elterngeldes machen zu können.
Quelle: afp2