Erfurt (RPO). Die rechtsextreme NPD hat am Mittwoch vergeblich versucht, das farbige Thüringer CDU-Mitglied Zeca Schall zu besuchen. Der Polizei zufolge wurden gegen sechs NPD-Vertreter, darunter Parteichef Udo Voigt, sowie gegen weitere sechs Neonazis, die sich Schalls Wohnhaus in Hildburghausen nähern wollten, Platzverweise ausgesprochen.
Nach den Drohungen der NPD gegen den dunkelhäutigen CDU-Wahlkämpfer war der gebürtige Angolaner vorerst unter Polizeischutz gestellt worden. "Wir nehmen die Drohung sehr ernst", bestätigte der Leiter der Polizeidirektion Suhl, Jürgen Loyen. Um Übergriffe auf den 45-Jährigen zu verhindern, wurden nach Angaben Loyens Polizisten vor dessen Wohnhaus postiert. Der CDU-Landesverband stellte unterdessen Strafanzeige gegen die NPD wegen Volksverhetzung.
Thüringens Innenminister Manfred Scherer (CDU) warf der NPD "moralische und geistige Abgestumpftheit" vor. Drei Wochen vor der Landtagswahl zeige die rechtsextreme Partei auch in der "menschenverachtenden Wortwahl" in ihren Pressemitteilungen ihren wahren Charakter.
NPD nennt Schall "CDU-Quotenneger"
Die rechtsextreme Partei hatte Zeca Schall, der auf Großplakaten neben Ministerpräsident Dieter Althaus für die CDU zur Landtagswahl am 30. August wirbt, am Dienstag in einer Pressemitteilung als "CDU-Quotenneger" beschimpft und zur "Heimreise" aufgefordert.
Laut Loyen sicherten Beamte am Mittwoch neben dem Wohnhaus Schalls auch Zufahrtsstraßen und den Innenstadtbereich von Hildburghausen einschließlich des Bahnhofs ab. Damit solle verhindert werden, dass sich "die rechte Klientel" Schall nähern könne, sagte der Leiter der Polizeidirektion. Wie in den kommenden Tagen weiter verfahren werde, sei noch unklar.
Ein CDU-Sprecher betonte in Erfurt, die menschenverachtenden Äußerungen der Rechtsextremen würden nicht toleriert. Deshalb stelle die Partei bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den NPD-Landesverband. Auch Schall, der seit 1988 in Thüringen lebt und deutscher Staatsbürger ist, habe Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt. In einem auf der Webseite des CDU-Landesverbandes eingerichteten Gästebuch bekundeten bis zum Mittwoch zahlreiche Menschen aus ganz Deutschland ihre Unterstützung für Zeca Schall.
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Quelle: AFP/can