Foto: ddp

Reaktionen auf Parteiaustritt: SPD: Keiner weint Clement eine Träne nach

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 26.11.2008 - 06:20

(RP) In der SPD wächst der Unmut über den Parteiaustritt ihres ehemaligen Bundesministers Wolfgang Clement. Bei vielen Genossen herrscht "elementare Wut", heißt es. Für Parteichef Franz Müntefering bedeutet die überraschende Entscheidung einen Schlag ins Gesicht.

"Ich bedaure das. Platz wäre für ihn in der Partei gewesen", sagte SPD-Chef Franz Müntefering, der sich bis zuletzt für den Verbleib des 68-Jährigen in der Partei eingesetzt hatte. Aber Clement entschied gegen ihn.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel äußert sich betont kühl:  "Ich nehme die Entscheidung von Wolfgang Clement mit Bedauern zur Kenntnis, kann sie aber nicht verstehen", sagte der Bundesumweltminister. "Die Begründungen für den Austritt offenbaren jene Selbstbezogenheit und Scheinradikalität, die er anderen vorhält. Wer aber nur noch die eigenen Maßstäbe gelten lässt, der verliert den Blick für das, was für die Partei insgesamt und die Menschen im Lande wichtig ist. Das hat mit Politik nichts mehr zu tun."

Zitate
Der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat am 25. November 2008 in einem Brief an den SPD-Vorstand seinen Parteiaustritt erklärt. Im Folgenden haben wir für Sie die Reaktionen zusammengefasst. Reaktionen auf Wolfgang Clements Rücktritt
Der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat am 25. November 2008 in einem Brief an den SPD-Vorstand seinen Parteiaustritt erklärt. Im Folgenden... mehr 

Der SPD-Wirtschaftspolitiker und Clement-Freund Rainer Wend fühlt sich "persönlich enttäuscht". Er nannte Clement einen „Sturkopf“. NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft bedauerte den Rücktritt des in Bochum beheimateten Politikers.

Der Bochumer SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer wurde deutlicher: "Bei vielen Genossen herrscht eine elementare Wut", so Schäfer. Ein Mitglied des NRW-Parteivorstands sagte: "Es ist unglaublich, was Clement in den letzten zwölf Monaten gemacht hat". Mit dem „Versöhnen statt spalten“-Motto von Clements Ziehvater, dem früheren NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau, hätten die Querschüsse des "Atomlobbyisten Clement" nichts mehr zu tun. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zeigte sich verärgert: "Wir haben versucht, ihm Brücken zu bauen, ich bin enttäuscht, dass es zu der Entscheidung gekommen ist."




Mehr zum Thema
Mit einer Rüge davon gekommen: Ex- Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement darf SPD-Mitglied bleiben. Die SPD-Bundesschiedskommission hat das Parteiausschlussberfahren gegen ihn eingestellt. Schon in seiner Zeit als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident und auch später als Bundesminister hatte sich Clement mit seiner wirtschaftsfreundlichen Politik nicht nur Freunde bei den Sozialdemokraten gemacht. Im folgenden eine Chronologie der Ereignisse. 
Chronik: Wolfgang Clements Austritt aus der SPD
Mit einer Rüge davon gekommen: Ex- Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement darf SPD-Mitglied bleiben. Die SPD-Bundesschiedskommission hat das Parteiausschlussberfahren... mehr 

Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel bezeichnete den Rückzug im Gespräch mit unserer Redaktion als in der Logik Clements "konsequente Entscheidung". Nachvollziehbar sei sie aber nicht. "Ich frage mich, wie der Kandidat Clement reagiert hätte, wenn ein ehemaliger Parteivize unmittelbar vor dem Wahlsonntag von seiner Wahl abgeraten hatte", so Vogel. Die Parteilinke kommentierte den Rücktritt gelassen: "Reisende soll man nicht aufhalten", sagte SPD-Vize Andrea Nahles.

Kopfschütteln auch beim früheren Bundesfinanz- und Verteidigungsminister Hans Apel: Clements Kritik an der Wirtschafts-, insbesondere an der Energiepolitik der SPD sei zwar berechtigt - sein Austritt aber falsch. Die Rüge des ehemaligen Wirtschaftsministers durch die Bundesschiedskommission der Partei könne nicht der Grund für diesen Schritt sein, so Apel. "Eine Rüge - mein Gott. Das ist so wie eine gelbe Karte auf dem Platz". So etwas stecke man weg.

Mehr zum Thema
Wolfgang Clement war einer der einflussreichsten Politiker der SPD, bevor er sich aus dem politischen Tagesgeschäft zurückzog. Nach Kritik an der hessischen Landeschefin Andrea Ypsilanti kündigte die NRW-SPD am 30. Juli 2008 den Rauswurf des  gebürtigen Bochumers an. Wir stellen Ihnen Wolfgang Clement vor. Wolfgang Clement - sein Leben im Zeitraffer
Wolfgang Clement war einer der einflussreichsten Politiker der SPD, bevor er sich aus dem politischen Tagesgeschäft zurückzog. Nach Kritik an der hessischen... mehr 

Zwei ehemalige SPD-Regierungschefs von Schleswig-Holstein äußerten sich ebenfalls kritisch zum Parteiaustritt Clements. "Wenn Clement sich in der Partei nicht mehr wohlfühlt, hätte er die SPD längst verlassen können", sagte Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD). Dass Clement sich erst am Tag nach der Rüge gegen ihn zum Rückzug entschieden habe, kommentierte Simonis mit den Worten: "Wie Männer nun mal sind: Am Ende wollen sie immer Recht behalten."

Ihr Vorgänger im Amt des Kieler Ministerpräsidenten, Björn Engholm (SPD), sagte: "Mit der Rüge hätte Clement gut leben können. Sie berücksichtigt bereits seine Verdienste. Mit den Äußerungen von der Art, wie er sie im hessischen Landtagswahlkampf gemacht hat, hätte er in keinem Wirtschaftsunternehmen Gnade gefunden." Aber mit dem Herzen sei Clement "lange nicht mehr Sozialdemokrat", sagte Engholm.


Quelle: RP

 
Artikel der Rubrik Politik
 
Verlinken Sie auf diesen ArtikelVerlinken Sie auf diesen Artikel
 
Autor: Jo-MG | 26.11.08 13:27 (1/48)
@Kaaskop
In einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen! Mercedes würde nicht mit einem Rausschmiss oder Repressalien reagieren, vielleicht würde man dem Mitarbeiter intern raten, seine Meinung etwas netter...
Kommentar lesenswert? (1)   Weiterlesen und bewerten

Autor: normalito | 26.11.08 13:25 (2/48)
das
Zitat joeycr, 12:39 h: ''Ganz wertneutral sind mir Leute mit Rückgrat wie Clement wesentlich lieber als all die machtgeilen, die nur Ihre eigenen Interessen im Auge haben.'' ''Rückgrat''...
Kommentar lesenswert? (1)   Weiterlesen und bewerten

Autor: Kaaskop | 26.11.08 13:13 (3/48)
SPD: Keiner weint Clement eine Träne nach
Herr Clement beruft sich auf sein Recht zu freien Meinungsäußerung, das wird Ihm doch auch zugestanden, sonst hätte die SPD sicher nicht nur mit einer Rüge reagiert. Er sollte aber auch berücksichtigen...
Kommentar lesenswert? (1)   Weiterlesen und bewerten

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:



 
BLOGEINTRÄGE ZU DIESEM ARTIKEL

 
SCHLAGWORTE

powered by
google
FOTOSTRECKEN POLITIK
Andreas Pinkwart, Parteichef der FDP in NRW, wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt: Der 49-jährige Ökonomie-Professor erhielt am 341 von 357 gültigen Delegiertenstimmen. Das entsprach einer Zustimmung von 95,5 Prozent. 15 Delegierten stimmten mit Nein. Ein Delegierter enthielt sich.
NRW-Parteitag der FDP
Andreas Pinkwart, Parteichef der FDP in NRW, wurde mit großer Mehrheit... mehr 
 
Andreas Pinkwart, Parteichef der FDP in NRW, wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt: Der 49-jährige Ökonomie-Professor erhielt am 341 von 357 gültigen Delegiertenstimmen. Das entsprach einer Zustimmung von 95,5 Prozent. 15 Delegierten stimmten mit Nein. Ein Delegierter enthielt sich.
NRW-Parteitag der FDP
Andreas Pinkwart, Parteichef der FDP in NRW, wurde mit großer Mehrheit... mehr 
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist zurück an der Spitze der Dax-Gehäter: Dank einem Vorsteuergewinn von 5,2 Milliarden Euro hat 2009 rund 9,55 Millionenn Euro verdient.
Was Dax-Vorstände 2009 verdienten
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist zurück an der Spitze der Dax-Gehäter:... mehr 
Hinter diesem Schleier verbirgt sich eine amerikanische Bürgerin. Sie hat offenbar versucht über das Internet Kämpfer für den islamischen "Jihad" zu werben.
"JihadJane" - Amerikanerin rekrutiert Terroristen
Hinter diesem Schleier verbirgt sich eine amerikanische Bürgerin. Sie... mehr 
Israel will in Ost-Jerusalem den Stadtteil Ramat Shlomo weiter ausbauen.
Siedlungsbau in Ost-Jerusalem
Israel will in Ost-Jerusalem den Stadtteil Ramat Shlomo weiter ausbauen.... mehr 
 
TOP-SERVICES
POLEMIK-PROTOKOLL AUS DEM BUNDESTAG

Wenn Politiker schimpfen

"Sie geistiges Eintopfgericht"

Eine vergnügliche Sammlung von Ausrastern, Schmähungen und polemischen Geistesblitzen aus dem Bundestag. mehr 

IHR RP ONLINE
facebook Werden Sie unser Freund bei Facebook   Twitter Aktuelle News sowie Infos aus der Redaktion - direkt bei Twitter   Für Düsseldorf, Duisburg, Leverkusen, Solingen, Remscheid und Mönchengladbach haben wir Heimatprofile angelegt. Werden Sie unser Freund bei StudiVZ/MeinVZ
 


WEITERE AKTUELLE NACHRICHTEN VON RP ONLINE
 
 
 
 
 
Kalaydo stellen auto immobilien marktplatz inserieren
 
Aktuelles aus der Region Services Suche Videos
Einloggen Gast