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Deftig, kräftig, launig - Politischer Aschermittwoch: Seehofer macht den Strauß

VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 25.02.2009 - 17:21

Passau (RP). Horst Seehofer, der neue CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident, sprach beim Politischen Aschermittwoch in Passau öfter so wie sein Idol, die CSU-Legende Franz Josef Strauß: deftig, kräftig, launig.

Hier ein paar Beispiele: Über die SPD: "Irren ist menschlich, immer irren ist sozialdemokratisch." Oder: "Die Grüne Claudia Roth erinnert mich immer an den Schlager 'Es geht eine Träne auf Reisen." Oder über manche Grünen-Lebensläufe: "Erstens Kreissaal, zweitens Hörsaal, drittens Plenarsaal. Tausende CSU-Freunde johlten und klatschten in der riesigen Dreiländerhalle. Das sollte der neuen Nummer Eins signalisieren: Bierzeltrede-Test bestanden.

Denn seit den goldenen Zeiten der CSU unter Strauß, Goppel und Stoiber gilt beinahe naturgesetzlich so etwas wie die alljährliche Aschermittwochrede vor nicht notwendigerweise stocknüchternen Menschen als entscheidende Bewährungsprobe: Wer an der Spitze der CSU steht und sich dort lange halten will, muss es an dem "größten Stammtisch Deutschlands, wenn nicht der Welt" packen. Er hat hat die Massen bei Laune zu halten, mehr noch, er muss sie packen mit Herz und Hirn. Wer es in Passau schafft, der schafft es angeblich überall.

Nachdem Seehofer seine Rede beendet hatte (am Vortag noch hatten ihn starke Erkältungssymptome gequält), und als der Schlussbeifall nicht enden wollte, rief der lange Ingolstädter im Trachtenjanker seinen Fans zu: "Setzt euch hin, lasst uns arbeiten. Danke." Die meisten taten zwar, wie ihnen empfohlen ward, aber viele riefen "Zu-ga-be, Zu_ga-be." Seehofer ging nur knapp darauf ein; dafür holte einer seiner zuletzt in Serie nach oben beförderten CSU-Youngster, Generalsekretär Alexander Dobrindt, zum christsozialen Ritterschlag aus: "Das war eine Frischzellenkur für die konservative Seele."

Dankbar bestätigendes Klatschen freute Seehofer und dessen Ehefrau Karin, die jetzt ebenfalls winkend auf der Passauer Bühne stand. Morgens um Neun beim Einlass musste niemand lange raten, wo er war: bei einem Traditionstreffen der besonderen Art nämlich, das zum 57. Mal stattfand und bei dem sich auch die Sprüche und Parolen mit Variationen wiederholen. Auf Papierbahnen, Fahnentuch und Pappschildern stand geschrieben: "Mehr Bayern nach Berlin und Brüssel" - "Angie wir helfen Dir, Sozis raus aus Berlin." - "Anröchte grüßt die CSU." - "Die treuen Fans vom Hotzenwald", schließlich: "Horst wir glauben an Dich." oder: "Seehofer ist unser Obama, Yes, we can mit Horst."

Andreas und Stilla Spreng aus Eichstätt wählten diesen Vergleich, weil Seehofer "genauso schwungvoll" auftrete wie der berühmte Ami. Kurz nach Neun spielte zunächst die Passauer Blaskapelle auf: Flotte Märsche als musikalische Anwärmer für diejenigen, welche die ersten Krüge mit Bier serviert bekamen und sich in Erwartung eines deftig-anregenden Tages den Schaum von den Lippen leckten. Fischbrötchen, die in Bayern Fischsemmel heißen, gab's später, als der Seehofer Horst als Hauptattraktion an der Reihe war. Der Bayerische Defiliermarsch - auch das eine Tradition zu Ehren des jeweiligen Bayern-Chefs - begleitete Seehofer zur Bühne.




Unter dem neuen Vorsitzenden und Ministerpräsidenten mag die CSU in Berlin wieder politisch ernst genommen werden, aber in Bayern selbst hat sich die CSU noch längst nicht erholt von dem 17-Prozentpunkte-Absturz bei der Bayern-Wahl Ende September 2008. Aktuelle Umfragen signalisieren der CSU 45 Prozent Zustimmung, das galt unter Strauß und Stoiber als kläglich; und koalieren muss die CSU auch noch seit Oktober 2008, was die Bayern übrigens ausweislich der Umfragen mehrheitlich gut finden.

Nun also Seehofer, der Neue, für die einen im Saal ist er der Heilsbringer, für andere immer noch der eigenbrötlerische Ingolstädter. Er will nach eigenen Worten seine CSU zur modernsten, frischesten, kompetenstesn Partei in Deutschland machen. Dazu gelte es, "mehr Neues zu wagen". Etwas hochtrabender formulierte er anschließend, man biete den Bürgern einen Pakt für Deutschland an. Da von Seehofer solch ein schöner Satz stammt wie: "Die Wahrheit liegt in der Wahlurne", ist sein Blick auf die nahe Europawahl am 7. Juni allzu verständlich.

Er wurde vergleichsweise konkret: Es müsse mehr Volksentscheide, Volksbefragungen vor den zentralen Entscheidungen der EU geben. Europa dürfe nicht vom hohen Ross herab ständig vorschreiben, wie man vor Ort zu leben hat. Es folgte das bei CSU-Veranstaltungen immer beliebte Thema Türkei und EU-Mitgliedschaft. Seehofer sagte unter großem Applaus: "Wir sind dagegen, dass die Türkei in die EU kommt. " Die Türkei habe keine volle Meinungs- und Religionsfreiheit, in der Türkei würden Christen verfolgt." "Und", so fuhr er beifallumrauscht fort; "es geht auch um die grundsätzliche Frage, ob die Aufnahmefähigkeit der EU nicht erschöpft ist. Das Volk soll das entscheiden."

Sticheleien gegen die Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel verkniff sich der CSU-Boss. Nur an einer Stelle seiner Rede, als es um die Papst-Debatte und die umstrittene Merkel-Intervention vor zwei Wochen ging, wurde Seehofer versteckt aggressiv: "Wir Bayern tragen Benedikt XVI. in unseren Herzen, wir lassen es als Bayern und Christen nicht zu, wenn jemand die Integrität des Heiligen Vaters und seine Einstellung zum Holocaust irgendwie in Zweifel zieht. Wir stehen zu unserem Pontifex Bavariae." Wiederum brandete Applaus.

Das tat es übrigens auch, wenn immer Seehofer den neuen Wirtschaftsminister und CSU-Jungstar, Karl-Theodor zu Guttenberg, lobte. Süffisant, wie es Seehofers Art ist, erwähnte Seehofer, dass "Angela Merkel den rasant gestarteten Jungminister in drei Tagen mehr gepriesen hat als mich in drei Jahrzehnten." Wissendes Gelächter der von Seehofer scherzhaft als "liebe schwarze Gemeinde" Angeredeten im Saal.

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Autor: Bone62 | 26.02.09 06:59 (1/4)
Saalbauten
Kreissaal, Hörsaal, Plenarsaal.... Hat dem Seehofer schon jemand gesteckt, das Mißfelder von der gleichen Fakultät ist? Auch im ''christlichen'' Lager läuft nicht alles Rund. Nicht soviel unter...
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Autor: Ulenspiegel | 25.02.09 22:40 (2/4)
Genial
Über die SPD: ''Irren ist menschlich, immer irren ist sozialdemokratisch.'' Er kann. Ja er kann. Und nun, liebe Frau Merkel?
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Autor: HansOlafHenkel | 25.02.09 21:40 (3/4)
Iss dees fieleicht ah bairischah Satzergänzungstest?
''Seehofer macht den Strauß'' und das Volk zum Affen? Uhhhhhhhuhhh ah uhhhhuhuhuh ahahhhhh? Zur Ehrenrettung der oben genannten Primaten, sollte man allerdings hinzufügen, dass es nicht ganz...
Kommentar lesenswert? (4)   Weiterlesen und bewerten

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