Koch gegen Ypsilanti remis: TV-Duell im Endkampf

VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 20.01.2008 - 22:29

Frankfurt/Main (RP). Im immer spannender werdenden hessischen Landtags-Wahlkampf präsentierten sich am Sonntag Abend Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und seine Herausforderin Andrea Ypsilanti (SPD) in einer harten, aber überraschend sachlich geführten Studio-Debatte.

Sonntag Abend war etwas ganz Neues im hessischen Wahlkampf zu erleben, in einem Kampf, der eine Schlacht geworden ist, in der es seit Jahresbeginn politisch, parteipolitisch, persönlich, hochemotional derart zischt, brodelt und überkocht, wie man das in Jahrzehnten zuvor selten erlebt hat vor bloßen Landesparlaments-Wahlen. Die Spitzenkandidaten von CDU und SPD, Ministerpräsident Roland Koch und seine Herausforderin Andrea Ypsilanti, gingen hart aber fair miteinander um.

Viele hatten gedacht (gehofft?), im Frankfurter Studio des Hessischen Rundfunks werde es zugehen wie im Dschungelcamp; auf jeden Fall werde man 90 krachende Minuten lang die Polit-Variante von „Die Schöne und das Biest” erleben. Doch Andrea Ypsilanti in der Rolle der Schönen und Roland Koch als Biest zückten zwar ihre in langen Kampagne-Wochen geschliffenen Waffen, aber nicht, um sich damit schwere Wunden zu schlagen.

Es ging ihnen vielmehr darum, sich den parteipolitisch noch nicht festgelegten Zuhörern und Zuschauern als das zu zeigen, was jeder der beiden für seine Aufgabe hält: Der 49-jährige Koch, seit 1999 Regierungschef in Wiesbaden, kam bewusst argumentativ und im Habitus des geschliffen argumentierenden Regierungschefs daher.

Die 50 Jahre alte Ypsilanti, soeben von SPD-Partei-”Freund” Wolfgang Clement der wirtschaftlichen Inkompetenz bezichtigt, ließ sich von Koch nicht intellektuell einschüchtern. Manchmal kam sie ins Schlingern, etwa zum Schluss des Duells, als Koch ihr vorhielt, finanzpolitisch unsolide durchgerechnete Versprechungen zu machen. Aber alles im allem ging die frühere Stewardess und Diplom-Soziologin frisch zu Werke und hielt dem Ministerpräsidenten Versäumnisse in der Sozial-, Schul- und Verbrechensbekämpfungspolitik vor. Kochs Regierung habe ihre Hausaufgaben nicht gemacht.



Koch machte nicht den Fehler, aggressiv aufzutreten, schon gar nicht gegenüber einer Dame. In den Sympathiewerten liegt er deutlich hinter Ypsilanti. So redete er, Überlegenheit signalisierend, präzise über das wirtschaftlich starke Hessen, über den Zuwachs an Jobs und innerer Sicherheit; vor allem sprach er über die Gefahr, dass dies alles dadurch gefährdet werden könnte, wenn die Linkspartei mit in ein rot-grünes Regierungsboot stiege. Er sagte unmissverständlich: Entweder gebe es am 27. Januar eine bürgerliche oder eine linke Mehrheit.

Ypsilanti bestritt, dass dies geschehen werde. SPD und Grüne brauchten die Linkspartei nicht. Sie wolle die CDU-Regierung durch eine „Ampel”-Koalition aus SPD, Grünen und FDP ablösen. Die FDP, die sich klar auf die CDU als Koalitionspartnerin ausrichtet, werde sich, wenn sie eine Machtoption habe, flexibel zeigen. Sie indes blieb bei ihrer von Koch bezweifelten Aussage, nicht mit den Linken regieren zu wollen.

Auch beim wochenlang heftig diskutierten Thema, wie man junge Gewalt besser bekämpfen könne, ging es ruhig zu. Auf die Frage eines der beiden Moderatoren, ob er mit seinen pointierten Vorstößen zur inneren Sicherheit überzogen, sich vielleicht sogar „ins eigene Bein geschossen” habe, antwortete der zuletzt in den Umfragen abgerutschte CDU-Spitzenmann, ein Politiker müsse den Mut aufbringen, schwierige Themen, die die Menschen bewegten, anzusprechen.

Es fiel auf, dass der Amtsinhaber die hessischen Anstrengungen zur Integration und zu Spracherziehung mindestens so herausstrich wie die Notwendigkeit, Gewalttäter hart zu bekämpfen. Ypsilanti konterte, Koch werde, was Integration betreffe, nicht mehr ernst genommen.


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Autor: mic1 | 21.01.08 21:11 (1/11)
@Jürgen M.
Ihren letzen Beitrag kann ich nicht wirklich zuordnen. Habe ich etwas verpasst? Oder wurde hir seitens der Redaktion ein Beitrag von Juhela gelöscht?
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Autor: DssdCNSR | 21.01.08 17:58 (2/11)
Der Begriff ''Endkampf''
Ich kann mich immer wieder nur wundern, dass ''Journalisten'' nicht in der Lage sind Begrifflichkeiten richtig zu wählen. Jeder der auch nur ansatzweise die deutsche Geschichte des Dritten Reiches...
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Autor: Jürgen M. | 21.01.08 17:00 (3/11)
@Juhela
Was ist daran Polemik, wenn ich schreibe: egal welcher Partei. Glauben Sie wirklich, das irgendein Politker aus reiner Menschfreude Politik machen will ? Sind Sie so naiv und glauben das ?...
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