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Abgaben
Kritik von allen Seiten an Gabriels Vermögensteuer-Aussage

Porträt: Gabriel - unberechenbar und brillanter Stratege
Porträt: Gabriel - unberechenbar und brillanter Stratege FOTO: afp, JOHN MACDOUGALL
Berlin . Von allen Seiten prasselt Widerspruch in Sachen Vermögensteuer auf den SPD-Chef nieder. Mit seinen Äußerungen zu der Abgabe hat sich Sigmar Gabriel Kritik aus Wirtschaft, Koalition und Opposition eingehandelt.

"Ich lehne die Wiedereinführung der Vermögensteuer ab", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Michael Meister (CDU), den "Ruhr Nachrichten". "Sie würde nicht den Zweck erfüllen, den ihre Befürworter verfolgen, sondern wäre für den Wirtschaftsstandort Deutschland schädlich, sie könnte Investitionen und Arbeitsplätze gefährden." Zudem sorge die Vermögensteuer für immens hohe Erhebungskosten bei der Steuerverwaltung: "Sie gilt als eine der ineffizientesten Steuern überhaupt."

Auch FDP-Chef Christian Lindner lehnt eine Wiedereinführung der 1996 nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausgesetzten Steuer ab. Statt heimische Leistungsträger ins Visier zu nehmen, solle sich die SPD besser dafür stark machen, dass globale Multis wie Google, Apple und Amazon einen fairen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten müssten, sagte Lindner der Zeitung.

Gabriel hatte am Mittwoch erklärt, er habe nichts dagegen, dass Privatvermögen einer solchen Steuer unterworfen werde. Er wolle aber nicht, dass das Betriebsvermögen und die Substanz der Unternehmen besteuert werde. Derzeit kenne er aber kein Modell, das eine verfassungsrechtlich saubere Unterscheidung zwischen Privat- und Betriebsvermögen ermögliche. Zuvor hatte Gabriel unserer Redaktion gesagt, wenn es gelänge, "ein Konzept zu entwickeln, das diese Probleme vermeidet, könnte ich einen Beschluss zur Wiedereinführung der Vermögensteuer mittragen". Das wird vom linken Flügel der SPD immer wieder gefordert.

Die Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht, hielt Gabriel vor, es sei zu wenig, über eine Vermögensteuer nur laut nachzudenken. Die Linke fordere seit Jahren eine Vermögensteuer für Millionäre in Höhe von fünf Prozent. Die Anrechnung von Betriebsvermögen dabei auszuklammern, wäre eine "Spitzensteuer ohne Zugspitze", sagte Wagenknecht der Zeitung "junge Welt".

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), sprach sich gegen die Wiedereinführung der Vermögensteuer aus. "Ökonomisch ist diese Steuer jedenfalls nicht sehr überzeugend", sagte er der "Passauer Neue Presse". Wer glaube, dass er mit der Vermögenssteuer eine gefühlte Ungleichheit korrigieren könnte, verkenne, dass die Vermögensschichtung von der Einkommensschichtung unabhängig sei. "Auch Personen mit mittlerem oder wenigem Einkommen können Vermögen haben."

(felt/dpa)
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