Beisetzung: Abschied von Johannes Rau
zuletzt aktualisiert: 06.02.2006 - 14:32Düsseldorf (rpo). Mit einem Staatsakt nimmt Deutschland am Dienstag um 11 Uhr Abschied vom verstorbenen NRW-Ministerpräsidenten und Alt-Bundespräsidenten Johannes Rau. Am frühen Nachmittag soll Rau im engsten Familienkreis auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin begraben werden.
Im Berliner Dom werden Bundespräsident Horst Köhler, das österreichische Staatsoberhaupt Heinz Fischer sowie der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel Reden halten. Den Trauergottesdienst gestaltet der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber. Zu dem Staatsakt werden 1500 Gäste aus dem In- und Ausland erwartet.
Nach einem militärischen Abschiedszeremoniell vor dem Dom wird der Verstorbene am frühen Nachmittag im engsten Familienkreis auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte beigesetzt. Anschließend gibt Bundespräsident Köhler im Berliner Rathaus einen Trauerempfang. Das Bundesinnenministerium hat für ganz Deutschland Trauerbeflaggung angeordnet.
Rau, der am 27. Januar im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit starb, war über 50 Jahre lang politisch aktiv. Von 1999 bis 2004 hatte er das höchste Staatsamt inne.
Der Prominentenfriedhof
Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof findet der verstorbene Alt-Präsident seine letzte Ruhe zwischen Widerstandskämpfern, Gelehrten, Künstlern und einfachen Bürgern. Der ruhige Friedhof an der belebten Chausseestraße im Herzen Berlins ist der vielleicht schönste, gewiss aber der berühmteste der Hauptstadt. Brecht liegt hier. Hegel liegt hier. Auch Johann Gottlieb Fichte, Karl-Friedrich Schinkel, Heinrich Mann, Bernhard Minetti, Hanns Eisler und Anna Seghers.
Mit Rau wird jetzt erstmals ein Staatsmann dort beigesetzt. In der gleichen Reihe wie Widerstandskämpfer des Zweiten Weltkriegs wird er liegen. Fünf Meter entfernt vom Gedenkstein für den im KZ Flossenbürg ermordeten Dietrich Bonhoeffer.
Ein schmaler, langer Zugang zwischen dem Französischen Friedhof und dem Brechthaus führt auf den 17.000 Quadratmeter - das entspricht knapp zweieinhalb Fußballfeldern - großen Begräbnisplatz hinter dem Oranienburger Tor. Den Gottesacker legten 1762 die protestantischen Gemeinden der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Kirche an. Bis 1826 waren bereits drei Mal erhebliche Erweiterungen vonnöten. Dennoch musste der Friedhof Mitte des 19. Jahrhunderts zeitweise geschlossen werden, aus Platzmangel. Den Zweiten Weltkrieg schließlich überstand der Dorotheenstädtische Friedhof stark zerstört, die gleichnamige Kirche musste abgerissen werden.
Bis heute gibt es regelmäßig Beerdigungen. Im Mai 2001 führte Rau, der seit 1999 wiederholt hierher kam, als Bundespräsident jene große Trauerschar an, die den Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Hans Mayer zu Grabe trug. Nur wenige Schritte von Mayers Totenstein entfernt wird nun bald derjenige des bibelfesten Protestanten stehen.
Beisetzung in aller Stille
Es sei Wunsch der Familie, dass Rau auf diesem Friedhof beigesetzt werde, bestätigt das ansonsten verschwiegene Büro des Altbundespräsidenten knapp. Und ergänzt sofort streng den zweiten Wunsch der Familie: "Die Beisetzung soll in aller Stille und ohne Öffentlichkeit stattfinden." Im Kreise der Familie - so wie bei seinem Tod. Erste Vorkehrungen sind bereits getroffen: Seit Donnerstag stehen in der Chausseestraße zahlreiche Parkverbotsschilder, am Freitag folgten Absperrgitter.
Charmant verwildert ist dieser Teil im Südwesten des Friedhofs, knorrige Bäume ragen in den Himmel. Ein bisschen so wie auf alten jüdischen Friedhöfen. Gewiss werden Raus jüdische Freunde Kiesel auf seinen Grabstein legen. Zu Ehren des Mannes, der 2000 vor der Knesset in Jerusalem im Namen der Deutschen um Vergebung für die Verbrechen an den Juden bat.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum