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Bundestag
Gysi hält SPD für einen "Luschenverein"

Porträt: Gregor Gysi – der Star der Linken
Porträt: Gregor Gysi – der Star der Linken FOTO: dpa, obe wst
Berlin. Gysi freut sich über "Kraft zu neuem Lebensabschnitt". Der 67-Jähriger lästert nach dem Rückzug von der Fraktionsspitze über die SPD. 

Gregor Gysi fürchtet sich nach seinem Abschied von der Spitze der Linksfraktion nicht vor Langeweile. "Ich freue mich, dass ich die Kraft zu einem neuen Lebensabschnitt habe", sagte Gysi am Dienstag vor der Fraktionssitzung, auf der seine Nachfolger Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch gewählt werden sollten. Seine Entscheidung zum Rückzug aus dem Spitzenamt habe er "nie bereut". Er verabschiede sich zudem nur "in gewisser Hinsicht", sagte der 67-Jährige. "Ich bleibe ja noch da."

Gysi will sich als Bundestagsabgeordneter künftig "etwas mehr mit Außenpolitik" befassen, er werde seine Fraktion als stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags vertreten. Zudem wolle er seine Anwaltstätigkeit ausbauen und habe angefangen, eine Autobiografie zu schreiben, was "wahnsinnig anstrengend" sei. Auch seine Gesprächsreihe "Gysi trifft" im Deutschen Theater in Berlin mit Künstlern, Politikern und anderen Persönlichkeiten werde er fortführen. Erneut erwähnte Gysi mit Blick auf seine Vorhaben, es gebe "noch ein paar Sachen, über die ich jetzt noch nicht sprechen darf".

Zur Arbeit in der Linksfraktion nach seinem Rückzug sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Mittwochsausgaben): "Das wird schon klappen." Er fügte hinzu: "Wir sind 64 in der Fraktion, das sind alle große politische Kleindarsteller."

Wenig Schmeichelhaftes fiel ihm zur SPD ein. Er halte die Sozialdemokraten "für einen ziemlichen Luschenverein". Auch deshalb wäre er nie gern Sozialdemokrat geworden. Die SPD wisse nicht einmal, ob sie "nur das Gegenüber zur CDU" werden oder "doch nur ein Anhängsel bleiben" wolle. Er kenne in der SPD von heute niemanden, "der Kanzlerformat" habe, sagte Gysi dem Redaktionsnetzwerk, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte er, dass sie den richtigen Zeitpunkt für einen gelungenen Abgang aus der Politik nicht verpasse: "Zu gehen, wenn sie im Zenit ihres Ansehens steht, nicht, wenn sie im Keller ist."

 

(AFP)
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