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Streit um medizinische Leistungen: Ärzte-Chef Hoppe fordert Alzheimer-Cent

VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 17.05.2008 - 10:29

Düsseldorf (RP). Das Geld der gesetzlichen Krankenkassen reicht nicht mehr aus, um alle medizinisch notwendigen Leistungen zu bezahlen, beklagt Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, im Gespräch mit unserer Redaktion. Er fordert eine Alzheimer-Abgabe.

"Ärzte dürfen aus Kostengründen Demenzkranken und Multiple Sklerose-Patienten wichtige Medikamente nicht verschreiben", sagte Hoppe. Daher fordert er: „Der Staat sollte die Pharma-Hersteller verpflichten, von jeder verkauften Arznei-Packung 50 Cent an die Kassen abzuführen. Durch eine solche Alzheimer-Abgabe könnten einige Milliarden Euro zusammenkommen."

Die Situation pflegebedürftiger Menschen ist einer der Schwerpunkte des Deutschen Ärztetages, der am kommenden Dienstag in Ulm beginnt. Dort will Hoppe noch einmal für seine Alzheimer-Abgabe werben.

Das Geld aus der Abgabe müsste zur Erforschung besserer Medikamente eingesetzt werden, so der Ärztepräsident. Schon jetzt gibt es erste Mittel, die die Demenz verzögern oder die Schübe bremsen, in denen Multiple Sklerose fortschreitet. Doch diese Mittel sind sehr teuer, und die Kassen bezahlen sie nicht. „Viele ältere Menschen bekommen damit nur eine Sauber-und-Satt-Pflege, aber keine optimale Behandlung“, sagt Hoppe.

Und dieses Problem wird mit der Alterung der Gesellschaft zunehmen. Derzeit gibt es in Deutschland eine Million Demenzkranke. Bis 2040 werden es zwei bis drei Millionen sein. Denn je älter die Menschen werden, desto größer ist das Risiko, an Demenz zu erkranken. Ein Viertel der 80- bis 90-Jährigen und die Hälfte der über 90-Jährigen sind von Demenz betroffen, so die Bundesärztekammer. 60 Prozent der Erkrankten leiden an Alzheimer. Schon jetzt verursacht die einfache Behandlung dementer Menschen jährlich Kosten von 5,6 Milliarden Euro.

Die Pharma-Industrie weist den Vorstoß des Ärztepräsidenten zurück. „Herr Hoppe hat zwar Recht, wenn er auf die Unterversorgung mit Arzneien hinweist, die es bei manchen Krankheiten in Deutschland gibt“, sagte gestern ein Sprecher des Verbands forschender Arzneimittel-Hersteller. Doch eine isolierte Zwangsabgabe für die Industrie könne nicht die Lösung sein. Besser sei es, nach anderen Sparmöglichkeiten im Gesundheitssystem zu suchen.

Die Senioren-Union der CDU hat sich schon einmal gegen den Begriff „Alzheimer-Abgabe“ gewehrt. Dieser würde in der Öffentlichkeit zu einer weiteren Diskriminierung älterer Menschen führen. Er fördere ein völlig falsches Bild vom Alter.


 
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