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Parteitag in Brandenburg
AfD applaudiert Probleme weg

AfD applaudiert bei Parteitag Probleme weg
Die Bundesvorsitzende der AfD, Frauke Petry (links) und der Landesvorsitzende der AfD in Brandenburg, Alexander Gauland (2. von links) sitzen in Kremmen (Brandenburg) auf dem Landesparteitag nebeneinander und applaudieren. FOTO: dpa, kdg fpt
Kremmen/Bingen. Der Konflikt zwischen Frauke Petry und Alexander Gauland ist längst nicht ausgeräumt. Trotzdem versichern die AfD-Streithähne, dass sie weiter zusammenarbeiten wollen. Und die Basis? Spendet Beifall.

Offener Streit in der Bundesspitze, die Spaltung der Fraktion im baden-württembergischen Landtag: Nach den Chaostagen bei der AfD richten sich am Samstag alle Augen auf das Zusammentreffen von Bundesvize Alexander Gauland und Parteichefin Frauke Petry beim Landesparteitag im brandenburgischen Kremmen. Beide gelten wahrlich nicht als Freunde. Parallel dazu tritt Petrys Widersacher Jörg Meuthen bei der rheinland-pfälzischen AfD in Bingen auf. Wird es ein Fernduell geben? Gar einen Showdown?

Weit gefehlt. Die Probleme, die ungelösten Konflikte werden von der Basis einfach weggeklatscht. Großer Beifall für Petry in Kremmen, die mit keinem Wort auf den Streit mit ihrem Co-Vorsitzenden Meuthen eingeht. Tosender Beifall für Gauland, der Petry scharf kritisiert für ihre Einmischung im Stuttgarter Landtag, wo sie sich im Konflikt um den Ausschluss eines Abgeordneten gegen Meuthen gestellt hatte. Für Basis und Parteiführung sind solche Widersprüche sichtbar kein Problem.

Gauland überreicht Blumen an Petry, er lächelt bei einer demonstrativen Umarmung für die zahlreichen Kameras. Petry klatscht im Zuhörersaal sogar noch, wenn Gauland sie direkt angreift. Denn in ihrem Ziel sind sich alle einig: Sie wollen an die Macht. Öffentlicher Streit stört dabei nur.

Das sind die führenden Köpfe der AfD FOTO: dpa, mb pil rho

"Nach den Landtagswahlen 2019 wird sich die Frage stellen, ob die AfD auch Regierungsverantwortung übernehmen kann", betont Petry. Dann wird in Brandenburg, Sachsen und Thüringen wieder gewählt. Ihr Lebensgefährte und NRW-Landesvorsitzender Marcus Pretzell blickt lieber gleich auf die Bundestagswahl 2017: "Wenn wir Verantwortung übernehmen wollen, müssen wir das als stärkste Kraft tun und ganz sicher nicht als Juniorpartner von Angela Merkel oder ihrem Nachfolger."

In diese Kerbe schlägt auch Gauland, der selbst Ambitionen auf einen Sitz im Bundestag hat. "Die AfD ist eine Alternative gegenüber den Blockparteien und dem links-rot versifften 68er-Deutschland", gibt er unter dem Jubel der Delegierten als Parole aus. Hauptangriffspunkt ist weiter die Flüchtlingspolitik, macht Gauland klar. "Wir müssen dafür sorgen, dass der Sieg über die Osmanen vor Wien 1863 nicht durch Zuwanderung und Geburtenrate in sein Gegenteil verkehrt wird", sagt er. "Die Integration dieser Menschen ist nicht möglich."

Als Hauptgegner sieht Gauland Merkel und die "verrottete CDU":
"Dieser Kanzler-Direktorin müssen wir eine Politik für unser Land und seine Bürger entgegensetzen." Und Petry sekundiert: "Wenn ich mir ansehe, wo Deutschland im Jahre 2016 angekommen ist, dann kann ich gar nicht anders als zu glauben, dass Angela Merkel die späte Rache der DDR an der alten Bundesrepublik und dem restlichen Europa ist." Solche Töne begeistern die Delegierten, da ist der Zwist in der Führung schnell vergessen.

Keine Alternative zur Zusammenarbeit mit Petry

Beifall bekommt auch Meuthen, der beim Parteitag der AfD Rheinland-Pfalz in Bingen zu Gast ist. So groß sein Ärger auch sein mag, die Zusammenarbeit mit Petry will er nicht infrage stellen. "Warum sollten wir kämpfen um die alleinige Spitze? Ich bin heilfroh dass es zwei sind", sagt der bisherige baden-württembergische Fraktionschef. "Wir kriegen das hin."

Auch Meuthen weiß, dass eine Einigung in der Sache nicht zu erwarten ist - Petry unterstützt in Stuttgart die alte AfD-Fraktion, während Meuthen im Streit um antisemitische Äußerungen des Abgeordneten Wolfgang Gedeon eine neue gegründet hat. Doch gibt es eine Alternative zur Zusammenarbeit mit Petry?

AfD-Mitbegründer Konrad Adam fürchtet angesichts der Streitigkeiten schon um den Fortbestand seiner Partei. "Der öffentliche Machtkampf hat ein existenzbedrohendes Ausmaß angenommen", sagt Adam dem "Tagesspiegel am Sonntag". Eine zweite Spaltung würde die AfD schwerlich überstehen.

(dafi/dpa)
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