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Bundesparteitag in Essen
AFD: Petry zu Doppelspitze mit Lucke bereit

Kurz-Porträt: Frauke Petry – jung, weiblich, populistisch
Kurz-Porträt: Frauke Petry – jung, weiblich, populistisch FOTO: dpa, spf pil tmk
Köln. Vor dem außerordentlichen Bundesparteitag in Essen der Alternative für Deutschland (AfD) hat die Bundesvorsitzende Frauke Petry ihre Bereitschaft bekräftigt, die Partei mit Bernd Lucke in einer Doppelspitze zu führen.

"Wenn der Parteitag uns beide in den Vorstand wählt, dann müssen wir zusammenarbeiten", sagte Petry am Samstag im WDR5-"Morgenecho". Bei dem am Samstag beginnenden Parteitag wird über die Parteiführung entschieden. Hauptkontrahenten sind der AfD-Chef Lucke als Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels und die Ko-Vorsitzende Petry als Führungsfigur des nationalkonservativen Flügels. Während Lucke nicht mehr mit Petry zusammenarbeiten will, schloss Petry eine weitere Zusammenarbeit mit Lucke nicht aus.

Die Mitglieder würden beim Parteitag auch über das Selbstverständnis der Partei entscheiden, sagte Petry. Die Frage sei, "ob man sich primär als Oppositionspartei versteht, in der man reifen oder sich politisch entwickeln muss. Oder ob man mit einer kleinen Anzahl von Getreuen wesentlich zum Mehrheitsbeschaffer einer großen Partei wird". Letzteres sei der Wille von Bernd Lucke, sagte Petry. "Diese Meinung teile ich nicht und ich glaube auch, dass die Mehrheit der AfD-Mitglieder sie nicht teilt."

Petry verteidigte zugleich die Gespräche ihrer Parteispitze mit Organisatoren der anti-islamischen Pegida-Bewegung. Die Partei habe festgestellt, dass sie die Anliegen der Bürger auf der Straße vertreten müsse. "Es geht darum, ob die AfD sich weiterhin als neue politische Kraft versteht, die bereit ist, auch Tabus zu brechen und die Debatte zu beleben, oder ob sie in die gleichen starren Strukturen verfällt wie die etablieren Parteien", sagte sie.

Von den knapp 21.000 Mitgliedern haben sich mehr als 4400 für den Parteitag angemeldet. Viele sehen in der Wahl des neuen Bundesvorstands auch eine Entscheidung über die Zukunftschancen der Partei. "Der Zuspruch aus der Mitgliedschaft ist enorm", sagt Parteisprecher Christian Lüth. "Nach all dem, was ich höre, hoffen die Mitglieder auf einen Richtungsentscheid und wollen die Arbeits- und Politikfähigkeit der AfD unter Beweis stellen."

Die 2013 von Kritikern der Eurorettungspolitik gegründete AfD plädiert für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion. Inzwischen ist die AfD in fünf Landtagen vertreten und im Europäischen Parlament. Wie schon beim AfD-Satzungsparteitag Ende Januar in Bremen, so haben sich auch diesmal Demonstranten angekündigt, die gegen die Politik der AfD protestieren wollen.

(AFP)
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