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Interview mit Vize-Parteichef
Gauland sieht Perspektive für AfD als Regierungspartei

AfD-Vize Alexander Gauland sieht Perspektive als Regierungspartei
Alexander Gauland (Archivaufnahme). FOTO: dpa, ahe fgj
Berlin. Im Streit mit AfD-Chefin Frauke Petry um die Ausrichtung der Partei hat der Vizevorsitzende Alexander Gauland seine Bereitschaft zum Eintritt in Regierungskoalitionen erklärt. "Natürlich wollen wir irgendwann auch regieren, sonst wäre ich nicht in der Partei", sagte Gauland unserer Redaktion. Von Gregor Mayntz

Wird es bei Ihrem Parteitag in Köln einen Rechtsruck oder eine klare Richtungsansage geben?

Gauland Von Rechtsruck kann keine Rede sein. Wo soll der denn herkommen? Der Antrag von Frauke Petry, zwischen Fundamentalopposition und Realpolitik zu unterscheiden, beruht auf einer künstlichen Spaltung. Die gibt es in der täglichen Arbeit nicht. Deshalb ist das eine Luftnummer. Wenn Frauke Petry den Antrag will, dann sollte sie den persönlichen Bezug auf mich rausnehmen, weil ich in keiner Weise Fundamentaloppositioneller bin, und dann kann der Antrag so laufen.

Halten Sie es für ausgeschlossen, dass Frau Petry doch noch gebeten wird, die Spitzenkandidatur zu übernehmen?

Gauland Bei uns halte ich nichts für ausgeschlossen. Es ist verschiedenes vorstellbar. Es kann ja auch sein, dass es gar kein Spitzenteam gibt, dann ist sie als Parteivorsitzende automatisch vorne.

Das neue Machtgefüge der AfD FOTO: dpa

Welche Variante bevorzugen Sie?

Gauland Ich will vor allem, dass alles vom Tisch kommt, was uns schadet und was uns spaltet. Wenn wir uns ohne Schwierigkeiten auf ein Spitzenteam einigen können, dann ist das gut, wenn nicht, sollten wir es nicht erzwingen wollen.

Stehen Sie bereit?

Gauland Für mich kommt eine Einzelkandidatur nicht in Frage und schon gar keine gegen Frauke Petry. Für ein Spitzenteam stehe ich bereit.

Videobotschaft von Frauke Petry: Verzicht auf AfD-Spitzenkandidatur

Was muss nach Ihrer Meinung vor allem vom Tisch?

Gauland Das ist zum einen der Antrag zur Fundamentalopposition. Und das ist auch der Antrag von Frauke Petry, Rassismus und Nationalsozialismus eine Absage zu erteilen. Das haben wir lange gemacht, das ist Teil unserer DNA. Diese Leitlinien noch aus Luckes Zeiten sind nie aufgehoben worden. Also habe ich mit dem Antrag das Problem, dass er eine Gefahr voraussetzt. Die sehe ich überhaupt nicht. Und auch mit dem Bremer Antrag zum Ende des Parteiausschlussverfahrens gegen Björn Höcke drohen wir in eine heftige Diskussion zu kommen.

Was ist Ihre Empfehlung für diese Personalie?

Gauland Wenn der Parteitag das Verfahren beendet, dann ist das so. Ich habe den Ausschluss immer für falsch gehalten. Höcke hat sich entschuldigt. Auch von der Basis höre ich immer die Reaktion "die Rede war Mist, aber er gehört zu uns". Das ist auch meine Haltung. Er kann nicht ausgeschlossen werden.

Frauke Petry macht Wahlkampf für die AfD in Essen FOTO: rtr, WR/ste

Welche AfD-Entwicklung sehen Sie: immer Opposition oder irgendwann mitgestalten?

Gauland Natürlich müssen wir langfristig auch Verantwortung übernehmen. Aber nicht als kleiner Partner und nicht mit der Gefahr, ausgespielt oder aufgesogen zu werden. Wir können nur auf Augenhöhe unsere Politik durchsetzen. Unseren Wählern ist sehr viel schwerer zu vermitteln, dass Kompromisse manchmal nötig sind. Nehmen Sie unsere Forderung, die Grenze rundum zu schließen und zu schützen. Da kann ich mich nicht auf einen Koalitionskompromiss einlassen, dass nur 500 Kilometer geschützt werden und der Rest offen bleibt.

Sie halten es für möglich, dass die AfD irgendwann mitregiert?

Gauland Natürlich wollen wir irgendwann auch regieren, sonst wäre ich nicht in der Partei. Die FPÖ, die uns ja immer noch am nächsten ist, geht auch genau so vor: nicht als Anhängsel, aber auf Augenhöhe, dann kann man Verantwortung übernehmen.

Gregor Mayntz führte das Interview

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