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Was geschah in der Nacht, als die Bundeswehr die tödlichen Bomben sechs Kilometer vor Kundus fielen ließ?
Das Protokoll des Luftangriffs.
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Donnerstag,21.12 Uhr
Das Regionale Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus erfährt von der Entführung der beiden Tanklastwagen durch die Taliban an einem illegalen Kontrollpunkt.
Zugleich wird PRT-Chef Oberst Georg Klein schon informiert, dass die Terroristen zu allem entschlossen sind: Sie haben einen Fahrer gleich an Ort und Stelle ermordet.
Zu diesem Zeitpunkt weiß die Bundeswehr von Plänen, mit entführten Tanklastern einen verheerenden Anschlag auf die 650 deutschen Soldaten in Kundus zu verüben und hat Bilder von ähnlichen Selbstmordangriffen aus anderen Landesteilen vor Augen.
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Donnerstag, 23.24 Uhr:
Ein B-1-Bomber entdeckt die Lkw, wie sie auf einer Sandbank etwa sechs Kilometer vom deutschen Lager entfernt stecken geblieben sind.
15 Minuten lang beobachtet der Fernaufklärer die Lage, informiert Oberst Klein darüber, dass sich eine größere Anzahl Personen um die Lkw befinde, von denen etliche Waffen trügen: AK-47 und Panzerfäuste. Dann muss der Bomber zum Auftanken abdrehen.
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Donnerstag, 23.34 Uhr:
Zwei US-Kampfjets vom Typ F-15 treffen ein. Die Bilder ihrer Bordkameras werden live nach Kundus überspielt. Immer und immer wieder betrachtet Klein die in Nachtsichttechnik festgehaltenen "Schatten" rund um die Fahrzeuge.
Eine als zuverlässig bekannte afghanische Quelle versichert der Bundeswehr, es seien ausschließlich Taliban vor Ort. Es werden sogar die Namen von vier wichtigen Taliban mitgeteilt.
Daneben beruft sich die Bundeswehr auf einen "weiteren Aufklärungsstrang", durch den sich die Truppe zusätzlich abgesichert habe, den man aber nicht näher beschreiben will.
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Freitag, 1.39 Uhr:
Oberst Klein "genehmigt" den Luftangriff auf die Tanklaster aber nicht mit 907-Kilo-Bomben, wie von den US-Piloten vorgeschlagen, sondern "nur" mit zwei 227-Kilo-Bomben, um die Schäden kleiner zu halten.
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Freitag, 1.49 Uhr:
Die Bomben schlagen ein, unmittelbar danach ergibt das Lagebild aus der Luft: 56 Personen getötet, 14 auf der Flucht.
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Freitag Vormittag
Ein Erkundungstrupp der Bundeswehr findet keine Leichen mehr, zieht sich schnell zurück, weil er beschossen wird.
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Samstag:
Isaf-Chef General Stanley McChrystal (USA) setzt sich über die Warnung des deutschen Oberst hinweg und macht sich selbst ein Bild von der Situation. Zehn Minuten später schlagen Mörsergranaten ein, wo sich Chrystal gerade noch aufhielt.
Später erfahren die Deutschen, dass bei dem vertraulichen Gespräch über die genauen Vorgänge ein amerikanischer Journalist anwesend war. Rajiv Chandrasekavan schildert in der Washington Post, die Deutschen hätten nur eine Quelle gehabt, und es müsse mit 125 Toten gerechnet werden.
Die Informationen werden in Berlin dementiert. Im Verteidigungsministerium wird gemutmaßt, dass bei dem Zustandekommen amerikanische Stellen beteiligt gewesen sein müssen.
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Sonntag:
Der Gouverneur, der Provinzrat und der Geheimdienstchef der Provinz Kundus setzen ein gemeinsames Schreiben an Präsident Hamid Karsai auf, wonach "ausschließlich regierungsfeindliche Kräfte getötet" worden seien. Es seien durch die Explosion "56 bewaffnete Personen getötet und 12 verletzt" worden.
Ob die drei Offiziellen ein neutrales Bild vermitteln, ist umstritten. Sie hatten zuvor mehrfach ein härteres Vorgehen gegen die Taliban verlangt. Verteidigungsminister Franz Josef Jung macht sich die Version, wonach "ausschließlich terroristische Taliban getötet" wurden, zu eigen.
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Montag:
Ein geheimer Nato-Bericht nennt 90 Tote und Verletzte; wie viele Zivilisten waren, könne nicht mehr festgestellt werden, da die Leichen bereits bestattet seien.
Die Bundeswehr wird in der Nato und innenpolitisch scharf angegriffen. Der Vorwurf: die Entscheidung zum Bombardement sei vorschnell gefallen.
In Deutschland erreicht Afghanistan den Wahlkampf. Vor allem der Verteidigungsminister steht im Kreuzfeuer. Am Montag schließt er - im Gegensatz zu vorher - den Tod von Zivilisten nicht mehr aus.
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Dienstag
Die Debatte in Deutschland dreht sich um ein Datum für den Rückzug aus Afghanistan. Zeitungen schreiben vom Jahr 2015.