Rassismus: Afrikanisch-stämmiger Deutscher nach Anschlag im Koma
zuletzt aktualisiert: 17.04.2006 - 16:30Potsdam (rpo). Die Täter hatten den 37-jährigen Ingenieur nachts an einer menschenleeren Straßenbahnhaltestelle mit Tritten und Faustschlägen verletzt. Sein Makel: Der Mann ist äthiopischer Herkunft und hat daher eine dunkle Hautfarbe. Er wurde bei dem fremdenfeindlichen Überfall in Potsdam so schwer verletzt, dass er weiter in Lebensgefahr schwebt.
Zwei Unbekannte hatten das Opfer demnach am frühen Ostersonntagmorgen an einer menschenleeren Straßenbahnhaltestelle mit Tritten und Faustschlägen traktiert. Ihre Stimmen wurden zufällig von der Mailbox der Frau des Opfers aufgezeichnet. Die Staatsanwaltschaft setzte 5.000 Euro Belohnung für Hinweise zur Ergreifung der Täter aus.
Am Abend gab es in der brandenburgischen Landeshauptstadt eine spontane Solidaritätskundgebung mit rund 400 Teilnehmern. Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs sprach in der ARD von einer neuen Qualität der Ausländerfeindlichkeit. "Damit müssen wir uns auseinander setzen", fügte der SPD-Politiker hinzu.
Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten wegen Mordverdachts mit fremdenfeindlichem Hintergrund. Grundlage dazu ist auch die Aufzeichnung auf der Mailbox. Möglicherweise handele es sich bei den Tätern, die von einem aufmerksamen Taxifahrer verfolgt wurden, um ein Paar, erklärte Polizeisprecher Rudi Sonntag.
Das Opfer, ein äthiopischstämmiger Ingenieur mit deutschem Pass, stand demnach am Sonntag gegen 03.55 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle Charlottenhof im Stadtteil Brandenburger Vorstadt. Laut Polizei war der seit 1987 in Deutschland lebende Ingenieur der gegenwärtig an seiner Doktorarbeit schreibe, zuvor mit seiner Ehefrau zusammen gewesen, mit der er zwei Kinder hat, und wollte noch einen Freund besuchen. Weil es offenbar zu einem Streit gekommen war, rief er seine Frau von seinem Handy an. Weil sie aber nicht abnahm, wurde sein Anruf und damit auch der Wortwechsel mit den Tätern aufgezeichnet. Diese beschimpften ihn demnach unter anderem als "Scheiß-Nigger".
Opfer im künstlichen Koma
Danach wurden dem Opfer mit Fäusten und Tritten so massive Schädel- und Knochenverletzungen, darunter eine Vielzahl von Rippenbrüchen, zugefügt, dass es später auf der Intensivstation in ein künstliches Koma versetzt werden musste.
Ein Taxifahrer, der das das Opfer kurz nach 04.00 Uhr an der Haltestelle fand, verfolgte zu Fuß zwei flüchtende Personen, wie die Polizei weiter mitteilte. Nach etwa 250 Metern habe er die Verfolgung aber aufgeben müssen. Nach seiner Beschreibung war eine der beiden 1,70 bis 1,80 Meter groß, dunkel gekleidet und mit einer Kurzhaarfrisur, die andere etwa zehn Zentimeter größer, von kräftiger Statur, extrem kurzhaarig, möglicherweise mit Glatze, und mit einer schwarzen Bomberjacke bekleidet.
Die Polizei richtete eine Sonderkommission "Charlottenhof" mit zwölf Beamten ein und bat die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Die zunächst noch recht undeutliche Aufzeichnung mit den Stimmen der Täter werde versucht, soweit technisch zu bearbeiten, dass sie besser zu erkennen seien.
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