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Umgang mit Lebensmitteln
Aigner: Zu viel Essen wird weggeworfen

Szenenbilder aus "Taste the Waste"
Szenenbilder aus "Taste the Waste" FOTO: W-Film
Berlin. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will die Bürger mit verschiedenen Maßnahmen zu einem maßvollen Umgang mit Lebensmitteln anhalten und das Ziel der EU, die Lebensmittelabfälle bis 2020 zu halbieren, umsetzen. Von Michael Bröcker

"Ich halte das Ziel der EU für durchaus realistisch", sagte Aigner unserer Zeitung. "Wir können uns diese Verschwendung nicht leisten, aus moralischen und ethischen Gründen, aber auch unter dem Aspekt des Umwelt- und Klimaschutzes."

Ihr Ministerium wolle bis zum Frühjahr 2012 das Volumen der weggeworfenen Lebensmittel berechnen lassen und auf einem Kongress mit beteiligten Gruppen konkrete Maßnahmen verabreden. Dazu sollen etwa Informationskampagnen gehören und die Schulen miteinbezogen werden.

Ware für 300 Euro

Auch will die Ministerin die Bevölkerung über das Mindesthaltbarkeitsdatum aufklären. "Die meisten Waren können Tage nach Ablauf noch bedenkenlos verzehrt werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum", sagte die Ministerin. Nach Angaben der Verbraucherzentralen werfen Privatpersonen im Schnitt etwa 25 Prozent der gekauften Lebensmittel weg. Pro Person und Jahr sind das Waren im Wert von über 300 Euro – noch mehr, als die Produzenten aussortieren oder der Handel vernichtet.

Laut einer aktuellen Studie des Verpackungsunternehmens Cofresco landen pro Jahr Lebensmittel mit einem Volumen von 6,6 Millionen Tonnen im Müll. Im Durchschnitt geben die Deutschen jährlich rund 25 Milliarden Euro für Lebensmittel aus, die sie fortwerfen. Familien mit Kindern und Singlehaushalte haben die höchste Wegwerfquote. Singles verschwenden rund 45 Prozent mehr Lebensmittel als der Durchschnittshaushalt. Familien mit Kindern werfen bis zu 56 Prozent mehr Nahrungsmittel weg als Erwachsenenhaushalte.

Keine Gesetze

Gesetzliche Regelungen lehnt die Ministerin allerdings ab, eine "Müllpolizei" sei abwegig. "Vorrang hat für mich die Information der Verbraucher." Dabei müssten Lebensmittelproduzenten, Einzelhandelsunternehmen und Schulen helfen.

Außerdem will Aigner verlockende Botschaften und irreführende Werbung auf den Verpackungen von Lebensmitteln, vor allem für Kinder, schärfer regulieren. "Irreführung und Täuschung der Verbraucher sind verboten", sagte Aigner. "Werden Lebensmittel mit nährwert- oder gesundheitsbezogenen Aussagen beworben, müssen diese Aussagen in Zukunft wissenschaftlich nachweisbar sein."

(RP/pst/das)
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