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Autor Pirinçci zu KZ-Äußerung
"Damit habe ich meine Existenz zerstört"

Akif Pirinçci zum Pegida-Auftritt: "Das war ein Riesenfehler"
Akif Pirinçci sagt: "Der einzige Fehler war, dass ich bei Pegida aufgetreten bin." FOTO: dpa, dna htf
Düsseldorf. Mit seiner KZ-Äußerung hat sich Autor Akif Pirinçci jede Menge Unmut zugezogen. Der Verlag stoppte den Verkauf seiner Bücher, sein Blog-Betreiber distanzierte sich in einem offenen Brief. Nun spricht Pirinçci selbst über seinen Auftritt und nennt seine Äußerung einen "Riesenfehler".

"Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb." Es war nicht allein dieser Satz, mit dem der deutsch-türkische Autor Akif Pirinçci am Montagabend auf der "Pegida"-Demonstration in Dresden provozierte. Die Politiker nannte er "Gauleiter gegen das eigene Volk", Flüchtlinge "Invasoren". Seine Rede provozierte derart, dass er schließlich von "Pegida"-Gründer Lutz Bachmann von der Bühne geholt wurde. Bachmann selbst entschuldigte sich später für den Auftritt.

Dabei ist Pirinçci bekannt für seine schwulen- und migrantenfeindlichen Äußerungen. Seinen Auftritt in Dresden aber scheint er nun zu bedauern. In einem Interview mit dem "Stern" jedenfalls sagt er: "Dresden war nicht mein Ding." Und angesprochen auf die KZ-Äußerung: "Ich habe Ihnen doch gesagt: shit happens. Das war ein Riesenfehler, ein Wendepunkt, gerade weil ich in der Öffentlichkeit stehe." Das Wort KZ – "dieses neurotische deutsche Wort" – habe zur Falschinterpretation geradezu eingeladen.

Pirinçci betont, er sei kein Nazi, habe mit Rechten nichts am Hut. Was er schreibe, sei seine Meinung. "Der einzige Fehler war, dass ich bei Pegida aufgetreten bin", sagt der Autor.

Fotos: Tausende bei "Pegida"-Demo am 19. Oktober 2015 FOTO: dpa, lus soe

Als er die Einladung zu "Pegida" erhalten habe, habe er gedacht, es sei eine Lesung. Auf Nachfrage, er wisse doch ganz genau, was "Pegida" ist, sagt Pirinçci: "Ich sehe das zwar im Fernsehen, aber das ist ja wie ein Rockkonzert, die feiern sich da selbst ab. 'Hallo, wir sind Pegida, gimme five.' Und dann komme ich mit einem total provokanten und polemischen Text daher, der sehr geschraubt ist, und tja... shit happens. Damit habe ich meine Existenz zerstört."

Entsprechend denkt er nun über seine Zukunft nach. Schließlich hat der Verlag Random House den Verkauf seiner Bücher gestoppt, sein Blogbetreiber sich von ihm distanziert. Pirinçci überlegt nun, das Land zu verlassen, auch wenn er Deutschland liebe. Und dann fügt er noch hinzu: "Ich bin Deutschland unfassbar dankbar. Die Deutschen wissen dieses Land gar nicht zu schätzen. Ich möchte aber nicht in einer muslimischen Gesellschaft leben."

Weitere Informationen zur "Pegida"-Bewegung in unserem Dossier.

(das)
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